Bischof Rudolf Koppmann OMI

geboren: 10.01.1913 in Essen
Erste Gelübde: 25. 04. 1933
Priesterweihe: 10.00. 1938
Bischofsweihe: 11.5.1957
gestorben: 24.06.2007

Um 5.00 Uhr, am frühen Morgen des 18. Januar 1913, erblickte Rudolf Koppmann in seinem Elternhaus, Lüneburger Str. 25 in Essen-Frohnhausen, das Licht der Welt. Die Eltern waren der Oberstadtamtmann Emil Koppmann (+ 1944) und seine Frau Anna (+ 1956), geb. Möller. Die Mutter stammte aus Gelsenkirchen. Rudolf, oder Rolf, wie ihn seine Freunde und Verwandten nennen sollte, hatte noch sechs Geschwister: vier Brüder und zwei Schwestern. Die Taufe empfing er am 22. Januar 1913 in der Kirche seiner Essener Heimatgemeinde St. Antonius. Der volle Taufname lautete: Rudolf Johannes Maria.

Die Familie war eindeutig durch den katholischen Glauben geprägt. So wurde Rudolf „natürlich“ Ministrant. Auch in der katholischen Jugend der Antonius-Gemeinde engagierte er sich. Er brachte es sogar zum Jugendführer der katholischen Jugendbewegung Neudeutschland. Am 15. Mai 1924 empfing er in der Mariae Himmelfahrt Kirche zu Essen-Altenessen durch den Kölner Weihbischof Dr. Hermann-Josef Sträter (1866-1943) das Sakrament der Firmung. Essen gehörte damals noch zur Erzdiözese Köln. Das Bistum Essen war noch nicht gegründet.

Die Schulbildung erhielt Rudolf fast ausschließlich in seiner Heimatstadt. Von 1919 bis 1923 besuchte er zunächst eine Volksschule in Essen. 1923 wechselte er an die Städtische Krupp-Oberrealschule mit kombiniertem Realgymnasium. Ende des Jahres 1931, kurz vor Schulabschluss, wechselte Rudolf an die Missionsschule der Oblaten von St. Karl im holländischen Valkenburg. Von Januar bis April 1932 blieb er als Privatschüler in St. Karl und erwarb dort den gymnasialen Abschluss.

Der Wechsel nach St. Karl war im festen Entschluss des Jungen begründet, Priester und Oblatenmissionar zu werden. Dazu galt es vor allem Latein nachzuholen, was er in St. Karl auch tat. Die Oblaten waren in Essen durch die Borbecker Niederlassung bekannt. Der Heimatpfarrer und Familie Koppmann hatten wohl auch eine besondere Beziehung zu dieser Missionsgesellschaft. Rudolfs älterer Bruder Johannes Koppmann (1907-1980) war bereits 1926 in die Gemeinschaft der „Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria“ eingetreten. 1930 hatte Rudolf die Ewigen Gelübde und im März 1932 die Priesterweihe seines Bruders erlebt. Der lebendige Kontakt zu den Oblaten war für ihn wohl ausschlag-gebend, auch Oblate werden zu wollen.

Am 18. April 1932 begab sich Rudolf Koppmann ins Oblatenkloster Maria Engelport bei Treis-Karden an der Mosel. Noviziatsbeginn und Einkleidung vollzogen sich in Engelport am 25. April 1932. Bei der Zulassung zu den Gelübden schrieb Novizenmeister P. Joseph Creusen (1879-1958) über den Novizen Koppmann: „Haltung gut. Gerade, frisch, lebhaft.Von Haus aus gut erzogen.Er ist ein gefälliger, treuer und ehrlicher Charakter, der sich ohne Schwierigkeiten einfügt,recht fleißig und strebsam. Setzt seinen ganzen Ernst daran, sich in den gewählten Beruf einzuleben. Ist für das gemeinsame Leben recht geeignet, gesellig und immer dienstbereit.“ Wer Rudolf Koppmann gekannt hat, findet hier Eigenschaften wieder, die ihn sein ganzes Leben auszeichnen sollten. Nach dem Probejahr im Engelporter Noviziat legte er zusammen mit 21 anderen Novizen am 25. April 1933 seine ersten Zeitlichen Gelübde ab. Die am 30. Januar 1933 erfolgte „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten gab dem Katholizismus in Deutschland neue Impulse inneren Zusammenhalts. Das war auch unter den jungen Männern im Kloster zu spüren. Die so anderen Ideale des Ordenslebens bekamen durch den größer werdenden Druck von außen ganz neue Akzente.

Von Engelport gingen die 22 Klerikerkandidaten geschlossen zu den philosophisch-theologischen Studien an die ordenseigene Hochschule der Oblaten nach Hünfeld. Das Hünfelder Bonifatiuskloster sollte für Rudolf Koppmann nicht nur Studienort, sondern eine wirkliche Heimat werden. Unter den Mitstudenten des Ordens war er recht beliebt. Neben dem Studium, das er gut meisterte, avancierte er zum „Theaterchef“ des Scholastikates. Hier inszenierte er mit seinen jungen Mitbrüdern für die große Kommunität des Studienhauses Theaterstücke. Die hier erworbenen Fähigkeiten sollten ihm später noch in der missionarischen Arbeit zugute kommen. Nach drei Jahren legte er in Hünfeld am 25. April 1936 die Ewigen Gelübde am. Dazu urteilte P. Superior Robert Becker (1888-1974) über ihn: „Der Frater ist ein energischer und sympathischer Charakter. Er zeichnet sich aus durch Opfergeist und Gemeinschaftssinn. Als Ordensmann fromm und gewissenhaft.Vielversprechend!“ Sorgen machte man sich in Hünfeld allerdings um Fr. Koppmanns Gesundheit. Er hatte immer wieder mit rheumatischen Beschwerden zu tun, die 1939 in die Diagnose „Morbus Bechterew“ mündeten, einer chronisch-entzündlichen Krankheit an der Wirbelsäule. Zeit seines Lebens sollte Rudolf Koppmann mit diesem Leiden mehr oder weniger zu kämpfen haben.

Auf dem Weg zum Priestertum durchlief Fr. Koppmann die damals üblichen vorkonziliaren Weihestufen: Die Niederen Weihe erfolgen in der zweiten Jahreshälfte von 1936. Die Subdiakonenweihe empfing er am 21. März und die Diakonenweihe am 29. Juni 1937. Am Palmsonntag, den 10. April 1938, empfing Rudolf Koppmann zusammen mit 17 anderen Fratres in der Hünfelder Klosterkirche durch den Fuldaer Bischofskoadjutor Johann Baptist Dietz (1879-1959) das Sakrament der Priesterweihe. Es folgte ein weiteres Studienjahr. 1939, etwa ein Jahr später, wieder am Palmsonntag, erhielt P. Koppmann seine Erstobedienz, seine zukünftige Einsatzbestimmung, für das Apostolische Vikariat Windhuk in Südwestafrika, dem heutigen Namibia.

Die Oblaten waren damals schon mit dem Missionsgebiet von Südwestafrika seit vielen Jahren verbunden. Zur deutschen Kolonialzeit, im Jahre 1896, waren die Hünfelder Oblaten in Deutsch-Südwestafrika mit der Übernahme der Apostolischen Präfektur von Nieder-Zimbebasien beauftragt worden. Erster Apostolischer Präfekt der Oblaten wurde P. Eugene Klaeylé (1879-1941). Zunächst umfasste die Präfektur die ganze Kolonie. 1909 war eine andere Missionsgesellschaft mir der Errichtung der Apostolischen Präfektur von Groß Namaqualand beauftragt worden. Der ganze Norden des Landes blieb nun das Missionsgebiet der Oblaten. 1919 war die deutsche Kolonialzeit vorbei und Südwestafrika wurde Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union. So wurde 1921 auch die Präfektur von Zimbebasien kanonisch neu gefasst. In der Folge war 1926 die Errichtung des Apostolischen Vikariats von Windhuk vollzogen worden. Erster Apostolischer Vikar und Bischof wurde im selben Jahr P. Joseph Gotthardt (1880-1961). Als der junge P. Koppmann also 1939 seine Bestimmung für das Missionsgebiet in Südwestafrika erhielt, waren die Oblaten und durch sie die Katholische Kirche anfanghaft etabliert.

P. Koppmann war bei seiner Abreise aus Deutschland 26 Jahre alt. Die Schiffsreise ins südliche Afrika, zusammen mit zwei weiteren Neumissionaren, trat er am 23. Juni 1939 von Hamburg aus an. Es war das letzte Schiff, das Südwestafrika von Deutschland aus vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erreichen sollte. So legten die Neumissionare am 08. Juli 1939 im Hafen von Walvisbay an. Sie sollten für die nächsten Jahre vorerst zu den letzten Missionaren gehören, die von Deutschland aus einreisen konnten. Als am 01. September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden die deutschen Missionare im durch Südafrika britisch ausgerichteten Südwestafrika zum Glück nicht interniert, sondern konnten, unter Beachtung der damals bestehenden Apartheitsgesetze, ungehindert ihrer Missionsarbeit nachgehen.

In Südwestafrika angekommen erhielt der junge Missionar seine Bestimmung für die erst 1935 von P. Georg Kalb (1880-1957) gegründete katholische Missionsstation von Otjiwarongo, 290 km nördlich von Windhuk. Die damals noch kleine Ortschaft lag an der Hauptverkehrsstraße zwischen Windhuk und Tsumeb. Otjiwarongo war Zentrum des vor allem landwirtschaftlich geprägten Umlandes. Seit 1907 gab es bereits einen Eisenbahnanschluss. Erst 1939 waren dem Ort die Stadtrechte verliehen worden. Als P. Koppmann im Juni 1939 in Otjiwarongo ankam, zählte die katholische Gemeinde etwa 50 Seelen. Man war also mit der Mission noch ganz am Anfang. Er gab eine kleine Kirche, ein Haus für zwei Patres und ein Schwesternhaus für eine Kommunität von Hiltruper Missionsschwestern, ein kleines Schülerheim für 25 weiße Schüler und ein „Krankenhaus“ mit drei Zimmern. Leiter der Missionsstation, deren Aufgabe vor allem die missionarische Erstverkündigung an der schwarzen Bevölkerung war, war P. Anton Biesel (1909-1994). Er, der nur wenig älter war als P. Koppmann und selber erst seit fünf Jahren als Missionar in Südwestafrika weilte, wurde zu P. Koppmanns Lehrmeister. Bischof Koppmann wird sich später erinnern: „Als ich nach Otjiwarongo kam, hatten wir im Gottesdienst etwa sieben alte Frauen und ebensoviele Männer, dazu 38 einheimische Kinder von den benachbarten Farmen. Zu den ersten Eindrücken gehörte wohl auch, dass vieles nicht unseren Erwartungen entsprach und Enttäuschungen nicht ausblieben. Sechs Wochen nach unserer Ankunft war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen. Vom Krieg erfuhren wir nur durch Zeitungen und Radio. Wir waren zwar von der Außenwelt abgeschlossen und getrennt von der Heimat. Aber wir lebten in Sicherheit. Und wir konnten während des ganzen Krieges unseren missionarischen Auftrag erfüllen.“ Die südafrikanische Apartheitsgesetzgebung war auch für die Missionare eine Gegebenheit: Die Einheimischen von Otjiwarongo lebten auf der „Werft“. Das war eine Siedlung, die ausschließlich von Einheimischen, also nicht von Weißen bewohnt wurde. Die Gruppe der Hereros hatte ein eigenes Reservat. Das Leben im Zentrum von Otjiwarongo war der weißen Bevölkerung vorbehalten. Neben der katholischen Mission gab es in Otjiwarongo christliche Gemeinden der „Rheinischen Mission“ der Protestanten und die „Holländisch-Reformierte Kirche“ der Buren. Die Katholiken waren in der Stadt in der Minderheit.

17 Jahre sollte P. Koppmann als Missionar in Otjiwarongo bleiben. Hier erlebte er noch die letzten Jahre der Pionier- und Gründerzeit der katholischen Mission in Südwestafrika. Die zu leistende Aufbauarbeit musste in den meisten Bereichen mit den einfachsten zur Verfügung stehenden Mitteln selbst in die Hand genommen werden. Man war manchmal mehr Handwerker als Seelsorger. Bald war P. Koppmann einer der tüchtigsten Missionare. 1946 wurde P. Biesel durch P. Karl Babock (1903-1980) ersetzt. In diese unmittelbare Nachkriegszeit fielen auch signifikante politische Umbrüche: Südafrika hatte es 1945 abgelehnt, sein Mandat für Südwestafrika in einen Treuhandvertrag mit den Vereinten Nationen umzuwandeln. 1948 wurde damit die südafrikanische Apartheidpolitik verschärft. 1949 annektiert Südafrika gegen den Protest der Vereinten Nationen das Territorium von Südwestafrika. Die Missionsarbeit blieb von der radikaleren Rassentrennung nicht unberührt. So entstand in Otjiwarongo mit den Jahren unter der Regie von P. Koppmann eine neue größere Kirche für die Einheimischen, eine erweiterte vierklassige Schule für 170 schwarze Schüler mit drei einheimischen Lehrern, ein dazugehöriges Internat mit 60 Plätzen. Ebenso initiierte er den Bau eines Vereinshauses und eines Krankenhaus mit 70 Betten für Weiße. Bei all diesen baulichen Unternehmungen musste die missionarische Seelsorge unbehindert vorangehen: Da gab es die Pastoral in der Schwarzensiedlung, die Seelsorge der schwarzen Arbeiterfamilien auf den teilweise weit entlegenen umliegenden Farmen, die Betreuung von 250 Katholiken in einem über 100 km² großen Herero-Reservat, die Pastoration der etwa 120 weißen Katholiken. Die Gemeinde wuchs mit den Jahren von 50 auf 1.800 Seelen an. In besonderer Weise widmete sich P. Koppmann der Seelsorge an den Kindern und Jugendlichen. Dazu inszenierte er getrennt mit schwarzen und weißen Kindern Komödien, biblische Theaterstücke und Passionsspiele. Diese Aufführungen hatten der katholischen Mission in der Öffentlichkeit viel Sympathie eingebracht. Die Vielseitigkeit der Missionsarbeit machte für den Missionar auch das Studium verschiedener Sprachen notwendig. Neben Englisch und Afrikaans machte sich P. Koppmann über die Jahre mit den einheimischen Sprachen Otjiherero und Namaqua vertraut. Erst nach 13 Jahren nahm P. Koppmann seinen ersten Heimaturlaub in Deutschland.

Der Apostolische Vikar von Windhuk, der 75-jährige Bischof Joseph Gotthardt, war 1951 zum Titularerzbischof ernannt worden und hatte 1955 sein Goldenes Priesterjubiläum gefeiert. Der Apostolische Delegat von Südafrika, Erzbischof Celestin Joseph Damiano (1911-1967), hatte ihm bei dieser Gelegenheit ans Herz gelegt, drei Kandidaten zu nennen, die für die Bischofsnachfolge in Frage kämen. So ernannte Pius XII. (1876-1958) am 26. Januar 1957 für alle recht unerwartet P. Rudolf Koppmann zum „Coadjutor cum iure successionis“ von Erzbischof Gotthardt. Gleichzeitig ernannte ihn der Papst zum Titularbischof von Dalisandus in Pamphylien. P. Koppmann erfuhr von seiner Ernennung, als er gerade in Otjiwarongo den Generator des kleinen Missionskrankenhauses reparierte.

Die Bischofsweihe des 44-jährigen Rudolf Koppmann erfolgte am 11. Mai 1957 in der Klosterkirche des Hünfelder Bonifatiusklosters. In Hünfeld war man über diese Entscheidung sehr froh. Hatte man einer solchen Feier doch eine Gelegenheit, „Missionsberufe zu fördern“. Und so wurde die Bischofsweihe für Hünfeld zu einem unvergesslichen Fest. Hauptkonsekrator war Erzbischof Gotthardt, die Ko-Konsekratoren waren der Fuldaer Weihbischof und spätere Diözesanbischof Adolf Bolte (1901-1974) und der Kölner Weihbischof Joseph Ferche (1888-1965). Als Wahlspruch hatte sich Bischof Koppmann das Psalmwort „Allen Völkern Dein Heil“ (Ps 66,3) gewählt. Mit Blick auf die politische Situation in Südwestafrika gab er dazu unmittelbar nach seiner Weihe in einem Interview u.a. sehr klar und eindeutig folgende Erklärung: „Eine Apartheid im Sinne der Regierung machen wir nicht mit. Denn ein schwarzer Priester ist genauso Priester wie ein weißer. Die Regierung aber duldet nicht, dass schwarze und weiße Priester zusammen an einem Tisch sitzen. Nicht einmal ein einheimischer Bischof darf an einem Bankett der Weißen teilnehmen.Auch dass keine [zwischen Schwarzen und Weißen] getrennten Gottesdienste in der gleichen Kirche nacheinander stattfinden dürfen, das geht zu weit. Dagegen steht eben das Gesetz Christi, dagegen steht der Geist der Liebe, wodurch alle Kinder eines Vaters sind. In diesem Sinn steht auch dagegen mein Wahlspruch: Allen Völkern dein Heil.“

Zwischen 1957 und 1961 konnte sich Bischof Koppmann an der Seite von Erzbischof Gotthardt in seine neue Aufgabe einarbeiten. Erst am 20. März 1961 nahm der Heilige Stuhl den Rücktritt des inzwischen 81-jährigen Erzbischofs Gotthardt an. Am gleichen Tag trat nun Bischof Koppmann offiziell das Amt des Apostolischen Vikars von Windhuk an. Die Pionier- und Gründerjahre waren vorbei. Mit Bischof Koppmann sollten für das 350.000 km² große Vikariat die Jahre der Entfaltung kommen. Das Apostolische Vikariat von Windhuk zählte 1961 etwa 35.000 Katholiken, 28 Pfarreien mit 43 Kirchen. Im Amt des Generalvikars bestätigte er P. Heinrich Henning, der bereits ein Jahr zuvor das Amt angetreten hatte. P. Henning (1914-2002) sollte bis zum Amtsverzicht von Bischof Koppmann im Jahre 1980 an seiner Seite als Generalvikar arbeiten. Beide Männer verband eine von Realismus geprägte Brüderlichkeit. Sie wurde zu einer Freundschaft, die gerade in der gemeinsamen Leitung der Diözese manche Belastungsprobe auszuhalten hatte.

Welche konkreten Herausforderungen stellte das neue Amt an Bischof Koppmann? Die Mission, die Erstverkündigung unter den Nichtglaubenden, musste unbedingt weiter betrieben werden. Die Seelsorge an den Gläubigen verschiedener Rassen und Stammesherkunft musste solide weitergeführt werden. Gleichzeitig galt es die kirchlichen Strukturen wirtschaftlich wie institutionell zu stärken. Das betraf gleichermaßen die Pastoral, das kirchliche Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen. Der Kindererziehung, der Haus- und Familienpflege und den Sozialdiensten musste unter der schwarzen Bevölkerung des Vikariates eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ein Abbau der Rassenschranken war 1961 nicht wirklich in Sicht. Unter Berücksichtigung dieser besonderen gesellschaftlichen Verhältnisse der Apartheidpolitik bedurfte es der speziellen Sorge kirchlicher Leitung, die schwarze Bevölkerungsmehrheit aus den verschiedenen einheimischen Volksstämmen sachte zu einer politischen und religiösen Verantwortung zu führen. Die kirchliche Bildungspolitik musste unter Berücksichtigung des rassenpolitisch realistisch Machbaren die Ausbildung von einheimischen Geistlichen, Lehrern und Führungskräften fördern. Einheimische Berufungen mussten noch entschiedener gefördert werden. Dazu kam für Bischof Koppmann nun eine immense Reisetätigkeit zur Rekrutierung des Missionspersonals, vor allem Schwestern und Schulbrüder aus verschiedenen Ordensgemeinschaften, solange die einheimischen Kräfte noch ausblieben. Ebenso dienten die Reisen nach Europa dazu, finanzielle Fördermittel zu erschließen. – Ein Berg von Postulaten erwartete also den noch jungen Bischof.

In der Pastoral vor Ort war Bischof Koppmann nun vor allem mit Firmreisen und Visitationen beschäftigt. Die weiten Strecken und die damals noch schlechten Verkehrswege nahmen viel Zeit und Körperkraft in Anspruch. „So eine Fahrt war jedesmal ein Wagnis und oft auch eine regelrechte Katastrophe“, erinnerte sich der Bischof gerne. Die Fahrten in den Norden dauerten anfangs noch bis zu dreieinhalb Tage. Angespornt durch den „fliegenden Pater“ Paul Schulte (1895-1974) lernte Bischof Koppmann sehr bald nach seiner Ernennung fliegen. So wurden die 30 Missionsstationen fortan mit einer einmotorigen Maschine vom Typ Do 27 angeflogen. Am Steuer des kleinen Flugzeugs saß der Bischof selbst. Das erleichterte das Reisen ungemein und sparte viel Zeit, da Bischof Koppmann nun vom Bischofsitz in Windhuk binnen vier Stunden jede Missionsstation erreichen konnte. Bischof Koppmann brachte es jährlich auf etwa 120 Flugstunden. „Bei den Leuten sein“ war seine einfache Devise.

Zu einem besonderen Ereignis im Leben von Bischof Koppmann wurde die Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Der Bischof schrieb dazu: „Am 11. Oktober 1962 konnte ich als Konzilsvater mit fast 3.000 Bischöfen aus aller Welt feierlich in St. Peter einziehen, um dann an allen vier Sessionen des Konzils bis zum feierlichen Abschluss am 08. Dezember 1965 an der kirchlichen Erneuerung mitzuarbeiten. Das war wohl ein Höhepunkt in meinem Leben. Auch wir Missionsbischöfe mussten manches neu überdenken und aufarbeiten. Ich spreche von der `Entkolonialisierung der Herzen´. In dem Dekret `Ad Gentes´ lässt sich das Resultat unserer Konzilsarbeit über die Missionen erkennen. Mit der Einführung der Muttersprache in die Liturgie kam eine ungeheure Übersetzungsarbeit auf unsere Missionare, Katecheten und Lehrer zu. Das Europäische Kleid der Kirche wurde mehr und mehr abgelegt, die Kirche wurde einheimisch. Inkulturation war das neue Leitwort, manche Umstellungen brachten Unruhe zwischen Christen der fortschrittlichen und traditionellen Richtung. Dazu die politische Freiheitsbewegung, die immer mehr zu einer schwarzen Volksbewegung wurde und bis in die Kirche hinein politische Gleichberechtigung forderte.“

R.I.P.