18. September

P. Leo Legrand OMI (1854 - 1940)

Ludwig Leo Josef Legrand wurde am 8. November 1854 in La Gorgue (Nordfrankreich) in eine katholische Familie hineingeboren und am 7. Juni 1879 in Arras zum Priester geweiht.
Mit der Erlaubnis seines Bischofs trat er am 31. Oktober 1882 in das Noviziat der Oblaten in St. Gerlach (Niederlande) ein. Dort legte er am 1. November 1883 die ewigen Gelübde ab. Danach wirkte er zunächst auf dem Montmatre in Paris, wo die Oblaten ein Herz-Jesu-Heiligtum betreuten.
P. Legrand wird als ein hagerer, sportlicher Mann beschrieben. Er galt als wortkarg, jedoch war jedes Wort, das er sprach, überlegt und prägnant.
Am 18. November 1884 wurde P. Legrand Superior des Juniorates in Heer, in dem schon einige deutsche Junioristen lernten. Das Juniorat zog 1885 nach Ravensbosch in ein erworbenes Haus, das man St. Karl nannte. P. Legrand trieb als erster Superior den Aus- und Umbau des Karolinums voran. Sein großes Ziel war ein deutsches Juniorat und dann, in absehbarer Zeit, eine deutsche Oblatenprovinz zu errichten. Dafür setzte er sich bald bei der Generalverwaltung ein.
Der Name Legrand verriet sofort seine französische Herkunft und er scheute sich, Deutsch zu sprechen, obwohl er es gut lesen und verstehen konnte. So führte offiziell P. August Hess die Verhandlungen, jedoch schaltete sich P. Legrand immer wieder in den Prozess mit ein. P. Hess bewies in dieser Hinsicht nicht immer das Geschick, das man P. Legrand hätten zutrauen dürfen. P. Legrand unterbreitete der Generalleitung Vorschläge für die Beschaffenheit der Provinz und der ersten Provinzleitung. Er schlug P. Scharsch als Provinzial vor. Die beiden hatten später kein gutes Verhältnis und so erwirkte P. Scharsch 1896 die Abberufung des P. Legrand aus St. Karl, das von 1895 bis 1954 zur deutschen Ordensprovinz gehörte.
P. Legrand war bis dahin außerordentlicher Provinzrat und Provinzprokurator der deutschen Provinz gewesen und kehrte dann wieder in die französische Nordprovinz zurück. Von Juni 1886 bis Ostern 1897 war er wieder auf dem Montmatre tätig, dann wurde er Rektor der von Oblaten in Lüttich erbauten Kirche St. Lambertus. Am 30. August 1899 wurde er Pfarrer und Oberer auf der englischen Insel Jersey. Dort errichtete er ein Waisenhaus und setzte sich gegen Sektenprediger ein. 1912 beauftragte ihn der Provinzial dort eine Missionsschule zu errichten. Diese und das Waisenhaus leitete er bis 1923 und wurde dann für drei Jahre Provinzial der französischen Nordprovinz, bevor ins Waisenhaus zurückkehrte.
Am 7. Juni 1929 konnte P. Legrand auf der Insel Jersey sein Goldenes Priesterjubiläum feiern. An der Feier nahm auch der Generalobere Erzbischof Dontenwill teil. Aus aller Welt erreichten ihn Glückwünsche von alten Schülern des Karolinums. Ab August 1929 war er dann für zwei Jahre nochmals Leiter der Missionsschule. Ab 1931 widmete er sich ganz dem Waisenhaus.
Am 18. September 1940 starb P. Legrand.
P. Legrand stand bei vielen in hohem Ansehen, auch wenn er immer ein strenger Lehrer gewesen war. Darüber hinaus war er ein tieffrommer Mann, der mit selbstloser Hingabe seine Aufgabe erfüllte. Er verstand es als Junioratsleiter nicht nur Lehrer, sondern auch Vater zu sein. An vielen Stellen werden seine Tatkraft, sein Erziehungstalent, seine umfassende Bildung und sein Begeisterungstalent für den geistlichen Beruf genannt. Der deutsche Nachruf schließt mit den Worten: „Wir können Gott nicht genug danken, dass an der Wiege von St. Karl und der deutschen Provinz ein so hochherziger und weitschauender Mann gestanden hat.“ Die Festschrift von 1926 würdigt ihn als den Vater der deutschen Provinz und P. Kassiepe betont an anderer Stelle, dass ihm die deutsche Provinz zu ewigem Dank verpflichtet ist.

Literatur:
Josef Krasenbrink: 100 Jahre Karolinum. 1885-1985.
Monatsblätter der Oblaten: Festschrift 1826-1926, S. 99-109. Ebd. Jahrgang. 1946, S. 35-37. Ebd. Jahrgang 1935, S. 298-304. Ebd. Jahrgang 1929, S. 229-233.
Unbekannter Verfasser: Nachruf P. Legrand OMI, Provinzarchiv Mainz.
Weber, Aloys: Das Karolinum. Missionskolleg der Unbefleckten Jungfrau Maria, Fulda 1912.

18. September

P. Pierre Chevroulet OMI (1924-2004)

Die schmerzhaften Ereignisse der sechzige Jahre in Laos, während derer sechs Oblaten zusammen mit mehreren Laoten und anderen Missionaren ihre Leben für Christus gaben, haben das Wirken von P. Chevroulet entscheidend geprägt.
Der am 2. September 1924 in Besançon (Frankreich) geborene Pierre Chevroulet trat 1948 bei den Oblaten ein. 1949 legte er seine ersten und 1952 seine ewigen Gelübde ab und wurde am 10. Juli 1955 in Roviano (Italien) zum Priester geweiht. Am 21. Mai 1956 bekam er seine erste Obedienz für Laos. Nach fast zwanzigjähriger Arbeit in Laos erhielt er 1975 die Obedienz, der Kirche in Thailand zu dienen. Dieser Dienst dauerte volle 29 Jahre bis zu seinem Tod am 18. Sept. 2004.
P. Chevroulet gehörte zu der Generation von großen Missionaren, die dem Tod ins Gesicht sahen. Wie sie hatte er seine Entscheidung getroffen, dass es besser ist, sein Leben um der Brüder Willen mit Christus zu verlieren, als es für sich selbst zu gewinnen. Sein missionarisches Wirken wurde durch die Worte des Bischofs Loosdregt OMI (1908-1980) von Frankreich inspiriert, die er an die Missionare von Xieng Khouang geschrieben hat: „Haltet aus so lang wie möglich, aber denkt daran, dass Ihr leben bleiben müsst, um weiterzumachen oder erneut zu beginnen, wenn der Sturm zu Ende ist.“
Er war als ein Mann des Gebetes, als Ratgeber und Kenner der Mission in Südostasien bekannt. In Samphran, wo sich das thailändische Juniorat und Scholastikat der Oblaten befindet, war er für alle ein zuverlässiger Ansprechpartner.
P. Chevroulet fand einen gewaltsamen Tod nicht aus den Händen bewaffneter Milizen, sondern er traf ihn in der Krankheit.


Quellen:

P. Roland Jacques O.M.I., OMI-Information Nr. 438, Dezember 2004.