10. September

P. Jan-Wilhelm Kulawy OMI (1872-1941)

Jan-Wilhelm Kulawy wurde am 15. Mai 1872 im schlesischen Leschnitz, dem heutigen Lesnica, geboren. Schon früh verspürte er den Wunsch Priester zu werden. Da im Zusammenhang mit dem Kulturkampf die kleinen Seminare geschlossen worden waren, blieb ihm nur der Weg nach St. Karl in Holland. Im Jahr 1892 begann er sein Noviziat und ein Jahr später legte er zusammen mit 45 weiteren Novizen seine ersten Gelübde ab. Er absolvierte seine theologischen Studien im Scholastikat in Ottawa und am 15. August 1894 legte er als erster polnischer Oblate seine ewigen Gelübde ab. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1898 erhielt er seine Obedienz für das Vikariat St. Boniface, wo er als Seelsorger in der neu gegründeten polnischen Pfarrei in Winnipeg wirkte.
Erschöpft von den vielfältigen Aufgaben und den Auseinandersetzungen mit den Protestanten, muss er nach Deutschland reisen, um sich gesundheitlich wieder zu erholen. Er sollte in Deutschland bleiben, um dort Volksmissionen zu predigen, besonders dort, wo viele Polen lebten. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm P. Kulawy OMI die Seelsorge am oberschlesischen Wallfahrtsort Piekary, bevor er von 1921-1925 Superior des ersten polnischen Juniorates in Krostoszyn wurde. In der Folge wirkte er als Volksmissionar in Polen und in Frankreich und Deutschland unter den dort lebenden Polen. Im Jahr 1936 war er maßgeblich an der Übernahme des Wallfahrtsortes Heilig Kreuz durch die Oblaten beteiligt und dort sollte er bis 1941 bleiben. Von dort aus predigte er weiter Volksmissionen und war in der Wallfahrtsseelsorge tätig.
Am 08. Juli 1941 wurde P. Kulawy OMI verhaftet. Er hatte in seinen Predigten Papst Pius XII. gegen die Äußerungen der deutschen Zeitungen verteidigt. Der tiefere Grund dürfte aber in seinen patriotistischen Aktivitäten in Schlesien in den Jahren 1919-1921 liegen. Er hatte in seinen Predigten versucht unter der Bevölkerung den polnischen Geist zu wecken. Am 30. Juli 1941 wurde er zusammen mit zwei weiteren Oblaten, seinem Bruder Pawel und P. Jan Pawolek OMI nach Auschwitz deportiert. Der 69-jährige P. Kulawy OMI war nicht mehr bei bester Gesundheit, und so starb er bereits wenige Wochen später am 10. September 1941. Pater Kulawy OMI war äußerst begabt und intelligent, er war ein unermüdlicher Prediger von Volksmissionen, ein vorbildlicher Oblate. Aber er war auch ein Pole mit Herz und Seele, was ihn schließlich wohl auch ins Konzentrationslager nach Auschwitz gebracht hat.


Quellen:

Jósef Pielorz, Père Jean-Guillaume Kulawy, Patriarche des Oblats polonais: 1872-1941. In: Vie oblate life, 61 (2002), S. 323-341.