3. September

Abfassung der ersten Regel in St. Laurent du Verdon (1818)

Der August 1818 brachte für die junge Gemeinschaft der Missionare der Provence einen Wendepunkt in ihrer Geschichte. Auf Anfrage des Bischofs von Digne übernahmen die Missionare der Provence den Wallfahrtsort Notre-Dame-du-Laus in den Alpen. Eugen gab seinen Mitbrüdern zu verstehen, dass mit der Gründung eines zweiten Hauses eine Ausweitung der gemeinsamen Lebensregel notwendig war, um auch künftig die Einheitlichkeit der Gemeinschaft zu wahren. Seine Mitbrüder baten ihn deshalb, unverzüglich Satzungen und Regeln auszuarbeiten. Zu diesem Zweck zog sich Eugen mit Frater Suzanne und dem Diakon Moreau vom 3. bis zum 16. September auf das abgelegene Familiengut St. Laurent du Verdon in den Alpen zurück. Neben der Abfassung der Regel nutzte der Stifter außerdem die Zeit, um Frater Moreau Weiheexerzitien zu geben, sich zu erholen und am Sonntag in der Pfarrkirche zu predigen. In einer Atmosphäre der Stille und des Gebetes schrieb Eugen auf den Knien und das Missionskreuz vor Augen die „Satzungen und Regeln der Gemeinschaft der Missionare der Provence“. Dabei ließ er sich von den Ordensregeln anderer Ordensstifter inspirieren, vor allem von der Regel der Redemptoristen, aus der er große Teile wörtlich übernahm. Auch nutzte er die Ordensregel der Jesuiten, der Oblaten des hl. Karl Borromäus, des hl. Phillipp Neri und des hl. Vinzenz von Paul, aber auch viele andere. Die fertig gestellte Regel bestand aus einem Vorwort und drei Hauptteilen: der erste Teil befasste sich mit den Zielen der Gemeinschaft, der zweite mit den persönlichen Verpflichtungen der Mitglieder, was auch die Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams und der Beharrlichkeit umfasste, und der dritte mit der Leitung und der Ausbildung in der Gemeinschaft.
Eugen stellte seine Regel einige Wochen später auf dem ersten Generalkapitel der Missionare der Provence vor. Die neue Regel fand allgemeine Zustimmung. Lediglich die Einführung der Gelübde stieß auf hartnäckigen Widerstand. Mit den Stimmen der Scholastiker wurde die Regel schließlich mit knapper Mehrheit angenommen. Die Approbation durch die diözesanen Autoritäten erfolgte am 13. November 1818.


Quellen:

Scharsch, Geschichte der Kongregation, Bd. 1, S. 44.
Dictionnaire de Valeurs Oblates, Rom 1996, S.161f.
Missions OMI, Bd. 78 (1951), S. 9ff.

3. September

Erzbischof Yves Plumey OMI (1913 – 1991)

Yves Marie Joseph Plumey wurde am 29. Januar 1913 in Vannes in der Bretagne geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung am örtlichen Jesuitenkolleg trat er 1930 bei den Oblaten ein. Am 29. September 1935 legte er in Lüttich seine ewigen Gelübde ab und wurde am 29. Juni 1937 zum Priester geweiht. Seine Erstobedienz erhielt er für die Missionsarbeit in Ceylon, der Ausbruch des zweiten Weltkrieges verhinderte dies jedoch. Daher wurde er nach Notre Dame du Sion versetzt, wo er in der Gemeindemission wirkte. Nach einer kurzen Zeit als Militärpfarrer für französische Truppen in Deutschland wurde er im Mai 1946 mit der Aufgabe betraut, im Norden Kameruns und im Tschad ein neues Missionsgebiet zu errichten.
Im August traf die 15-köpfige Mannschaft in ihrer neuen Heimat ein, um ihr anstrengendes, doch fruchtbares Werk zu beginnen. Schon im ersten Jahr wurden sieben Missionsstationen gegründet. 1953 wurde Pater Plumey erster Bischof der neuen Diözese von Garoua, Kamerun. Er widmete sich nun vor allem dem Aufbau einer Ortskirche. Schulen wurden errichtet, unter anderem das College de Mazenod, die erste weiterführende Schule im Norden des Landes. 1956 wurde ein kleines Seminar, 1976 ein Priesterseminar errichtet. 1982 wurde seine Diözese zur Erzdiözese erhoben und fünf neue Bistümer auf dem Territorium gegründet. 1984 überließ er das Amt einem einheimischen Priester und wirkte von da an als Gemeindepfarrer in der Vorstadt seiner Bischofsstadt, wo seine erste Aufgabe der Bau einer Kirche war.
Am 3. September 1991 wurde Erzbischof Plumey tot in seinem Pfarrhaus aufgefunden. Niedergeschlagen und gefesselt lag sein Leichnam auf dem Boden. Die Umstände seiner Ermordung sind bis heute nicht restlos geklärt, man vermutet jedoch eine politische Motivation, da zu dieser Zeit der Konflikt zwischen Moslems und Christen besonders schwelte und die ausgleichende Gestalt des Erzbischofs den islamischen Fanatikern ein Dorn im Auge war.
Erzbischof Yves Plumey gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Kameruns im 20. Jahrhundert. An seinem Begräbnis nahmen 15.000 Christen und Moslems teil. Beim Ad-Limina-Besuch der Bischöfe Kameruns 1995 erinnerte Papst Johannes Paul II. an den „verehrungswürdigen Erzbischof.“


Quellen:

Der Weinberg: Nov. 1991, S. 4; Dez. 1991, S. 14. 1992, Okt. 1992, S.5.
James M. Fitzpatrick OMI, Oblate Heritage 7, S. 11f.