10. November

Das internationale Scholastikat (1881)

Im Jahr 1880 änderte sich in Frankreich die politische Lage für den Klerus. Die Regierung der dritten Republik erließ eine Reihe von antikirchlichen Gesetzen. Damit wurden auch Klöster und Ordensinstitute Opfer dieser Politik. Im November 1880 wurde unter Androhung von Polizeigewalt das Scholastikat der Oblaten in Autun in der französischen Nordprovinz geschlossen. Die Professoren und Scholastiker flüchteten und begaben sich in eine Notunterkunft. Unter diesen Bedingungen war die Fortsetzung des Studiums in Autun nicht möglich. Das Scholastikat siedelte nach Irland in das Missionshaus von Dublin um. Die Verfolgungen von 1880 in Frankreich sorgten letztendlich dafür, dass in Rom ein neues Scholastikat errichtet wurde.
Am 10. November 1881 trafen die ersten Scholastiker in ihrem neuen engen Scholastikat, einem barocken Gebäude des 16. Jahrhunderts, an der Piazza San Ignazio ein, um ihre Studien von dort aus aufzunehmen. Der erste Superior des Scholastikates war P. Cassien Augier OMI (1845-1927). Aufgrund der schlechten Lage und städtebaulicher Veränderung musste das Scholastikat an dieser Stelle aufgegeben und verlegt werden.
So entschloss man sich für einen Neubau zwischen dem Forum Romanum und dem Kolosseum, an der späteren Via Vittorino. Am Osterfest 1887, nach zweijähriger Bauzeit, konnten die ersten Scholastiker ihr neues Haus, das bis 1950 die Generalverwaltung beherbergte. Besonders seit 1945 zeigt das Scholastikat internationalen Charakter. Die Zahl der in der Kommunität vertretenen Nationen war bereits 1939 sehr angewachsen. Einen Spitzenwert an Studenten erreichte man mit mehr als 100 Scholastikern zwischen 1945 und 1950. Aber dieses Gebäude war zu teuer. Dazu kamen Denkmalschutzprobleme, da sich das Haus in den ehemaligen Gärten des Kaiser Nero stand. Aus diesem Grund entschied man sich für einen Neubau an der Via Sacetti, der Platz für über 120 Studenten bot.
Nach fünf Jahren zog man dort aus und Entschied sich für einen weiteren Neubau, der auf dem Grundstück der Generalverwaltung entstand. Am 21. Mai 1962 nahm P. General Leo Deschâtelets OMI (1899-1974) den ersten Spatenstich des Scholastikats an der Via Aurelia 260 vor. Der Einzug der Scholastikatskommunität in den Neubau erfolgte nach einer vierjährigen Bauphase.
Das Scholastikat ist ein Garant für die Einheit der Kongregation und Ausbildungsstätte für das Führungspersonal der Kongregation.


Quellen:
P. Alexander Taché OMI, La Pineta Sacchetti, Vie Oblate Life 64 (2005), Nr. 3.
P. Philipp Scharsch OMI, Geschichte der Kongregation OMI, St. Karl (NL) 1953, S. 53.
Verlag der Oblaten, Der Weinberg 1962, Hünfeld 1963, S. 250.

10. November

P. Miguel Rodrigo OMI, Märtyrer in Sri Lanka (1927-1987)

Pater Miguel Rodrigo wurde am 30. Juni 1927 in Dehiwla in Sri Lanka geboren. 1947 trat er in das Noviziat der Oblaten ein und setzte später seine Ausbildung mit dem Studium in Rom fort. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1954 begann er seine Arbeit in der Priesterausbildung am nationalen Priesterseminar in Kandy/Sri Lanka. 1959 kehrte er für seine Promotion in Philosophie kurz nach Rom zurück. 1980 betraute man P. Rodrigo mit dem Aufbau des „Christian-Buddhist Fellowship and Dialogue Centre“ in Buttala. Hauptaufgabe dieses Zentrums war es, durch die Arbeit mit den Armen ein Zeugnis christlicher Nächstenliebe zu geben und durch eine Zusammenarbeit den Dialog mit dem in Buttala vorherrschendem Buddhismus zu vertiefen. Pater Rodrigo standen bei seiner Arbeit zwei Salvatorianer-Schwestern und ein buddhistischer Mönch zur Seite. Obwohl das Zentrum bei vielen Menschen Akzeptanz und Zustimmung fand, war es doch nie unumstritten und Pater Rodrigo dachte einige Male daran, das Zentrum aufzugeben.
Pater Rodrigos Eintreten für soziale Gerechtigkeit in einer friedlichen und versöhnlichen Weise brachte ihm zwar Anerkennung seitens der Armen, allerdings auch die Feindschaft der Unternehmer, die ihren Profit in Gefahr sahen und die Feindschaft der revolutionären Bewegung, die den Kurs Rodrigos als zu versöhnlich gegenüber den Unternehmern empfanden. Ähnlich wie der große Märtyrerbischof Oscar Romero wurde Pater Rodrigo am Abend des 10. November 1987 während einer Eucharistiefeier erschossen. Bis heute ist weder der Mörder noch das Motiv für die Ermordung P. Rodrigos bekannt. Fest steht jedoch, dass er mit seinem Martyrium seine Lebensaufgabe noch einmal in radikaler Weise erfüllt hat: den Menschen ein Zeugnis von Christus zu geben.


Quellen:
James M. FitzPatrick OMI, Oblate heritage 7, Rom 1988, S.61.
Weinberg, Monatszeitschrift der Oblaten M.I., Juli/August 1988, S.7f.