20. Mai

P. Karl Dominikus Albini OMI (1790 – 1839)

P. Karl Dominikus Albini wurde am 26. November 1790 in Mentone geboren und 1814 in Nizza zum Priester geweiht. Dort war er Seelsorger und Moralprofessor am Priesterseminar. Im Jahre 1824 lernte er P. Eugen von Mazenod und P. Suzanne kennen, als er sie bei einer Mission bei Strafgefangenen in Nizza unterstütze. Er war von der Art, wie die beiden Patres predigten, lebten und beteten, so beeindruckt, dass er am Ende der Mission um Aufnahme in die junge Genossenschaft bat. Den Widerstand des Bischof von Nizza über den Weggang seines fähigsten Professors konnte Eugen v. Mazenod nur überwinden, indem er ihm versprach, dass die Genossenschaft auch in Zukunft im Bistum Nizza wirke. P. Albini begann sein Noviziat in Aix am 18. Juli 1824.
1827 übernahmen die Oblaten, aus Mangel an Professoren in der Diözese Marseille, die Leitung des Priesterseminars. Das Leitungsteam bestand aus: P. Tempier, Superior des Hauses, P. Albini, P. Riccardi und P. Guiges.
1834 kam der Bischof von Korsika zu Eugen v. Mazenod und bat ihn auf Korsika ein Missionshaus zu errichten. „Die Vendetta“, die Blutrache, Sittenlosigkeit, religiöse Unkenntnis und Armut, so sah Korsika aus. Als Bischof musste er erst die meisten Taufen, bevor sie das Firmsakrament empfingen. Junge Männer, die Priester werden wollten, brauchten nur ein Empfehlungsschreiben des Pfarrers und wurden ohne Prüfung ihres Wissens geweiht. Eugen v. Mazenod sandte drei Patres nach Korsika. In einem Brief an dem Bischof schrieb er: „Ich sende ihnen P. Albini, ein heiliger Missionar, eifriger Prediger und tüchtiger Theologe; P. Telmon, ein bedeutender Kenner des Dogmas und der Kirchengeschichte; und P. Guibert, wohl der hervorragendste Priester dieser Gegenden, ausgezeichnet durch Frömmigkeit, weite Kenntnisse und feinen Geist. P. Guibert wird der Obere sein.“
1835 gingen diese drei Patres nach Ajaccio / Korsika und bauten dort zuerst das Priesterseminar wieder auf. 1836 schenkte Bischof Casanelli ihnen das ehemalige Franziskanerkloster in Vico. Dieses bauten sie zum Zentrum ihrer Missionstätigkeit aus und P. Albini wurde dort erster Superior.
Die erste Mission hielten P. Albini und P. Telmon im August 1836 in der Kreisstadt Moita. Dort ereignete sich bei der Aufrichtung des Kreuzes ein Wunder, dass sich bei den folgenden Missionen Albinis wiederholen sollte. Als das hohe Kreuz aufgerichtet wurde, übertraf das Gewicht die Kraft der Männer und drohte es zu stürzen und Menschen zu erschlagen. Da berührte P. Albini das Kreuz und es richtete sich von selbst auf. Auch durch seine Worte kam es in der Kirche zu unvergleichlichen Szenen. Jahrzehntelang blutige Familienfehden wurden beigelegt. Die verfeindeten Parteien baten gegenseitig um Verzeihung und gelobten, auf die Blutrache zu verzichten. Deswegen nennt man ihn auch „Apostel von Korsika“.
Aber P. Albini war gesundheitlich angeschlagen. Die ersten Missionen predigte er und P. Telmon noch in den Ferien, als sie Professoren am Priesterseminar in Ajaccio waren. 1838 brach P. Albini zusammen. Von diesem Zusammenbruch erholte er sich nie richtig und starb am 20. Mai 1839 in Vico. Auf dem Sterbebett geschah noch ein Wunder. Er heilte die Frau des Arztes, der ihn pflegte, worauf sich dieser bekehrte. Am 14. April 1915 wurde der Seligsprechungsprozess für P. Albini in Rom eingeleitet.


Quellen:
Phil. Scharsch: Geschichte der Kongregation OMI Bd. I, S.60/ S. 103 ff/ S.116.

20. Mai

Ein Nachruf auf die Deutsche Provinz (2007)

Die Deutsche Provinz starb im Alter von 112 Jahren und 15 Tagen. Zwei Jahre vor ihrem Tod hatte sie 156 Mitglieder in 14 Niederlassungen, ihr Höchststand erreicht sie 1939 mit 532 Mitbrüder in 25 Niederlassungen. Ihre Geburt am 5. Mai 1895 wurde durch die Nachwirren des preußischen Kulturkampfes überschattet und war an die Bedingung geknüpft, die Mission in Deutsch-Südwest Afrika, dem heutigen Namibia, zu übernehmen. Die Häuser auf deutschem Boden waren offiziell als Ausbildungs- bzw. Erholungsstätten für die Missionare gedacht.
1924 übernahm die Deutsche Provinz das Apostolische Vikariat Kimberley in Südafrika, ein Jahr später die große Herausforderung im Gran Chaco, im heutigen Paraguay, das Evangelium zu verkünden. In Deutschland wirkten die Oblaten besonders durch Volksmissionen, mit denen in den 20er Jahren bis zu 45% der Oblaten beschäftigt waren. Zum Apostolat der Deutschen Provinz gehörten auch Exerzitien, Zeitschriften, Schulen und die Jugendarbeit.
Der Tod der deutschen Provinz aber war nicht das Ende. So wie der Same in die Erde fällt und sterben muss, im Sterben aber tausendfach Frucht bringt, so lag im Tod der deutschen Provinz der Beginn von etwas Neuem, die Geburt der mitteleuropäischen Provinz.
Die Mitteleuropäische Provinz ist eine Neugründung, in der die deutsche Provinz und die Generaldelegatur Österreich-Tschechien aufgegangen sind. Dieser Schritt war nötig geworden, weil die Generaldelegatur mit nur 23 Mitgliedern ihren eigenständigen Status nicht auf Dauer würde halten können und die deutsche Provinz sich seit 2004 einer kritischen Überprüfung ihrer Sendung stellte.
Zu Beginn des Einigungsprozesses kam es zu Anpassungsschwierigkeiten, deren Ursache in der Furcht vor einer Vereinnahmung der österreichischen und tschechischen Oblaten durch die Deutsche Provinz zu finden ist. Nach intensiver Beratung kam man überein, dass die Gründung einer völlig neuen Provinz die geeignete Lösung ist. So starb am 20. Mai 2007 die deutsche Provinz und ermöglichte damit die Geburt der neuen Mitteleuropäischen Provinz am nächsten Tag, dem 21. Mai.


Quellen:
Klosterkamp, Thomas: Vortag zum Provinztreffen der Französischen Provinz der Oblaten M.I. Aix-en-Provence am 24. - 26. Februar 2008 (unveröffentlicht).
Krasenbrink, Josef: Und sie gingen in seinen Weinberg. 100 Jahre deutsche Ordensprovinz der Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria, Mainz 1995.