13. Mai

Bischof Mathieu Balaїn OMI (1828-1905)

Bischof Mathieu Victor Balaїn OMI wurde am 27. Mai 1828 in Saint Victor (Südfrankreich) geboren. Nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Gymnasialzeit trat er 1846 in das von Sulplizianer geleitete Priesterseminar in Viviers ein. Da er eine Berufung zum Missionar erkannte, verließ er das Seminar nach seiner Diakonweihe.
Im Jahre 1851 begann er das Noviziat bei den Oblaten. Nachdem er am 2. Februar 1852 seine ewigen Gelübde abgelegt hatte, wurde er am 6. März desselben Jahres in Marseille von Eugen von Mazenod zum Priester geweiht. Man attestierte ihm exzellenten Scharfsinn, große Entschlossenheit und ein leicht schroffes Wesen. Im September des Jahres 1852 wurde er nach Ajaccio (Korsika) gesandt, um dort zunächst Dogmatik, später Moraltheologie zu lehren. Dies tat er bis er im September des Jahres 1858 nach Vico (Korsika) versetzt wurde.
Ein knappes Jahr später wurde er Leiter des großen Seminars von Fréjus und erfüllte diese Aufgabe 18 Jahre lang. Auch als im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sein Haus zunächst als Kaserne, später als Lazarett besetzt wurde, verlies er es nicht.
Ende des Jahres 1877 wurde er zum Bischof von Nizza ernannt und so empfing er am 25. März 1878 die Bischofsweihe in Fréjus. Sein Wahlspruch lautete: Pro animabus vestris – Für eure Seelen. Da Nizza erst im Jahre 1860 Frankreich eingegliedert wurde, war er der erste französische Bischof dieser Stadt. Als Bischof fühlte er sich besonders der Dorfbevölkerung in den Bergen verbunden, sorgte sich aber auch um Internate und die Arbeiterbevölkerung. Mit großem Eifer festigte und verbreiterte er den Glauben in seiner Diözese, indem er die Wichtigkeit der Messe, der Heiligung des Sonntags und des Gebetes unterstrich.
Die geringe Zahl der Priesteramtskandidaten machte ihm Sorgen. Während seiner Amtszeit verfolgte der Staat eine anti-kirchliche Politik. Ein Gesetzesentwurf aus dem Jahre 1880 richtete sich gegen die Jesuiten und andere nichtanerkannte Kongregationen. Ein Jahr später beanspruchte die Regierung die Kontrolle über alle Krankenhäuser, Friedhöfe und Bestattungsunternehmen, später sogar das Bildungsmonopol. Bischof Balaїn vermied jedoch Konfrontationen mit dem politischen System, auch als im Jahre 1885 die Unterdrückung der Priesterseminare begann. Sein Sekretär sagte über ihn, er gehöre nicht zu denen, die bei jeder Krise sofort in vorderster Linie für Veränderungen kämpfen, aber er sei auch keiner, der notwendige Veränderungen verzögern wollte.
Bischof Balaїn wurde im Jahre 1896 zum Erzbischof von Auch (Südfrankreich) ernannt. Über seine Zeit dort ist weniger bekannt. Noch kurz vor seinem Tod distanzierte er sich von einem Brief der französischen Kardinäle, die Einspruch gegen die Trennung von Kirche und Staat erhoben. Über seine letzten Monate schrieb man nach seinem Tod, dass sich zwar seine Gesundheit allmählich verschlechterte, jedoch „blieben zwei Dinge immer intakt: Sein Herz und sein Verstand“.
Er war Mitglied des Generalkapitels in den Jahren 1879 bis 1893. Im Jahre 1902 konnte er sein goldenes Oblationsjubiläum, sowie Priesterjubiläum und im darauffolgenden Jahr auch den 25. Jahrestag seiner Bischofsweihe feiern. Am 13. Mai 1905 verstarb er im 77. Lebensjahr.


Quellen:
Historical dictionary of the Missionary Oblates of Mary Immaculate, Bd. I, 85ff.