5. Mai

Gründung der deutschen Ordensprovinz (1895)

Wegen der Kirchenverfolgung in Frankreich verlegten die französischen Oblatenmissionare ihr Juniorat in Sion nach Schönau in der Schweiz und 1882 nach Heer in Holland. Bald waren auch die ersten Deutschen unter den Schülern. Man ging dann dazu über, nur noch Deutsche aufzunehmen. 1884 wurde Pater Leo Legrand Superior des Missionskollegs. 1885 zog das Juniorat nach Ravensbosch bei Valkenburg um und erhielt den Namen St. Karl. Die Schülerzahlen stiegen in den folgenden Jahren ständig an. So wurde in St. Karl die Grundlage für eine künftige deutsche Provinz gelegt. Es gab auch zahlreiche Eintritte in die Kongregation als Laienbrüder. Im Oktober 1893 erschien zum ersten Mal eine deutsche Monatszeitschrift unter dem Titel „Maria Immaculata“. Im Juli 1894 wurde der „Marianische Missionsverein“ als Gebets- und Opfergemeinschaft ins Leben gerufen.
Die Oblaten wollten nun auch in Deutschland tätig werden, was überhaupt nur in Preußen möglich erschien, wobei neue Niederlassungen nur „Missionsseminare“ sein durften. Als sie am 1.August 1892 den nördlichen Teil der deutschen Kolonie Südwestafrika von der Propaganda in Rom als Missionsgebiet zugewiesen bekamen, konnten die Verhandlungen mit dem preußischen Kulturministerium beginnen. Am 24. Oktober 1894 erteilte Preußen unter bestimmten Auflagen die Erlaubnis eine Niederlassung in Fulda zu errichten. Am 24. März 1895 stellte Bischof Greorgius Ignatius Komp von Fulda die Genehmigung zu einer Niederlassung der Oblaten in seiner Diözese aus.
Am 5. Mai 1895 wurde durch die Generalverwaltung und den Generaloberen Pater Ludwig Soullier die deutsche Provinz errichtet. Die neue Provinz umfasste zunächst vier Häuser, das noch zu gründende Haus in der Diözese Fulda, welches der Sitz des Provinzials werden sollte, das Missionskolleg St. Karl, das Kloster St. Gerlach bei Valkenburg in Holland als Noviziat und das Kloster St. Ulrich bei Saalburg in Lothringen. Zum ersten Provinzial wurde Pater Simon Scharsch ernannt.


Quellen:
P. Scharsch OMI, Geschichte der Kongregation OMI Bd. II,2 654/6.
J. Pietsch OMI, Die deutsche Provinz, Monatsblätter 33 (1926) 99/104.
P. Joest OMI, Das werden der deutschen Ordensprovinz, Monatsblätter 47 (1946) 34/7. 
J. Krasenbrink OMI (Hrsg.): Und sie gingen in seinen Weinberg. 100 Jahre deutsche Ordensprovinz der OMI, Mainz 1995.

5. Mai

Br. Oswald Braun OMI (1910 - 1981)

Oswald Braun wurde am 4. Juni 1910 in Münchwies bei Neunkirchen/ Saarland geboren. Dort wuchs er mit 2 Brüdern auf. Seine Eltern betrieben eine kleine Landwirtschaft, die zuwenig zum Leben hergab, so dass sein Vater zeitweise im Steinkohlebergwerk arbeitete, um die Familie zu versorgen. Sein Vater fiel im Ersten Weltkrieg. Die ersten Schuljahre verbrachte er in der Dorfschule in Münchwies. Mit 15 Jahren ging er, auf Vermittlung seines Onkels P. Ludwig Schulz OMI, in das Juniorat nach Obermedlingen. 1926 kam sein jüngerer Bruder Gerhard nach Obermedlingen. 1928 brach der 18 jährige Oswald diese Schullaufbahn ab und begann ein Postolat und Brüdernoviziat in Maria Engelport. Am 24. April 1929 legte er dort seine ersten Gelübde ab und kam in das Konvikt nach Borken. Dort blieb er zwei Jahre und arbeitete in Küche und Haus. Sein größter Wunsch war, als Missionar in Afrika tätig zu sein. Dieser ging am 26. Mai 1932 in Erfüllung, als er seine Bestimmung für das Vikariat Windhoek / Südwestafrika erhielt. Am 9. Juli 1932 reiste er zusammen mit Bruder Schedel von Hamburg ab. Bruder Brauns Tätigkeit, war zunächst im Garten, Weinberg und Kellerei in Klein-Windhoek. Weil der Grundwasserspiegel immer weiter sank, mussten die Brunnen tiefer gegraben werden. Auch dort war Bruder Braun tätig. 1936 wurde Br. Braun nach Döbra, einer Farmmission etwa 30 km von Windhoek entfernt, versetzt. Br. Braun und Br. Heitele mussten bei einem Viehposten in den Bergen die Melkerei und Sahneproduktion überwachen. Dazu blieben sie die Woche über in den Bergen und kamen nur am Wochenende zu Fuß oder mit dem Esel nach Döbra. 1941 wurde Br. Braun nach Epukiro versetzt, um dort beim Aufbau der Farm zu helfen. Nach einem Jahr musste er Epukiro, wahrscheinlich wegen einer Meinungsverschiedenheit, verlassen. Vom Stationsleiter wurde er nicht verabschiedet und musste ohne Fahrgeld nach Gobabis und dann nach Windhoek fahren. Er kam nach Goas und 1952 für zwei Jahre nach Waldfrieden, in die Nähe von Omaruru. Von dort ging es 1954 nach St. Michael, in die Nähe von Outjo. In dieser Zeit entwickelte sich bei Bruder Braun ein Rückenleiden, dass ihn nie mehr verließ. Hierfür musste er immer ein steifes Korsett tragen. 
Gelegentlich hatte er Asthmaanfälle. 1957 kam er wieder nach Epukiro zurück. Dort hatte er Rinder gezüchtet und wurde mehrmals ausgezeichnet. Er war aber auch Krankenpfleger für die Menschen rund um Epukiro, denn der nächste Arzt wohnte 100 km entfernt. Bruder Braun behandelte kleine Wunden, nähte sie, schiente und vergipste Knochenbrüche oder zog Zähne. Er verwaltete auch eine kleine Apotheke. Bruder Oswald hat sich viele der Tätigkeiten, die er ausübte, selbst angeeignet oder bei anderen um Rat gefragt. 1969 nahm er, wie die meisten Missionare in Südwestafrika, die südafrikanische Staatsbürgerschaft auf anraten Bischof Koppmanns an. Dieser erhoffte sich dadurch mehr Handlungsfreiheit für Kirche und Mission. 1977 zeigten sich die ersten Symptome einer lebensbedrohlichen Krankheit. 1979 flog er zur Behandlung nach Deutschland. Als feststand, dass ihm hier auch nicht mehr geholfen werden konnte, flog er wieder nach Namibia, um dort zu sterben. Er starb am 05. Mai 1981 an Nierenversagen und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sein Grab liegt auf dem Friedhof von Döbra.


Quellen:
Br. Oswald Braun OMI, 50 Jahre Missionar in Namibia.