17. März

Baubeginn des Bonifatiusklosters (1896)

Als am 17. März 1896 die ersten Spatenstiche für das neue Kloster am Hünfelder Friedhof gemacht wurden, hatten die Verantwortungsträger der Oblaten bereits einen beschwerlichen Weg hinter sich. Das deutsche Reich im ausgehenden 19. Jahrhundert betrachtete katholische Tätigkeit auf deutschem Boden mit Argwohn. Nachdem sich die Gründungsmöglichkeiten in der Erzdiözese Köln sowie in Fulda und Künzell zerschlagen hatten, war das Angebot der Stadt Hünfeld, die den Oblaten Bauland und Baumaterial sowie eine vorläufige Unterkunft zur Verfügung stellten, wie ein Geschenk des Himmels gewesen. 
Bereits am 5. Mai 1895 hatte die Ordensleitung die deutsche Ordensprovinz errichtet, mit P. Simon Scharsch als Provinzial. Bis zur Fertigstellung von Unterkünften im Neubau wurden die Oblaten im Rathaus der Stadt untergebracht. Am 1. Oktober begannen 15 Scholastiker ihre philosophischen Vorlesungen im „Rathauskloster“. Am 17. Februar 1896 weihte der Provinzial die deutsche Ordensprovinz dem heiligsten Herzen Jesu.
Am 17. März 1896 konnte dann endlich mit dem Bau begonnen werden. Als Bauleiter eingesetzt war P. Emil Kiefer. Einen Tag später erfolgte die Grundsteinlegung. Aus dem ganzen Kreis Hünfeld und bis Geisa hinaus zeigte sich eine große Hilfsbereitschaft. Die Gemeinden Molzbach, Burghaun und Urzell stifteten Steine. Hünfelder Handwerksmeister spendeten die Eisenbeschläge für das Kirchenportal. Bis zu 300 Arbeiter – meist für Gotteslohn – waren zeitweise an der Baustelle tätig.
So wuchs das Kloster schnell. Bereits im November 1896 konnten die ersten Oblaten ihre Unterkunft beziehen. Im Juni 1897 verließ auch das Scholastikat das Rathaus und nahm in den Räumen des Klosters die Vorlesungen auf. Im Herbst selben Jahres siedelten die bisher in Lüttich studierenden Oblaten nach Hünfeld über. Das Scholastikat zählte nun 75 Scholastiker.
Der Bau der Klosterkirche, erbaut nach einem romanischen Vorbild in Frankreich, begann im Oktober 1898. Leitender Architekt war Arnold Güldenpfennig aus Paderborn, der auch schon die Klosterfront entworfen hatte. Zwei Jahre dauerte der Bau. Am 6. August 1900 wurde die Kirche durch Bischof Endert von Fulda feierlich geweiht.
Doch ein Haus wie das Bonifatiuskloster ist einem ständigen Wandel unterworfen, um den Anforderungen der jeweiligen Zeit gerecht zu werden. Schon 1911 wurde das Kloster um den Nordflügel erweitert und bis heute dauern die Umbauten und Änderungen an.


Quellen:
Thomas Kroiß OMI, Das Ausbreiten und Wirken der Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria in Deutschland 1895 – 1995, S. 27ff.
Günther Kames OMI, Die Geschichte der Oblaten in Deutschland von 1895 bis 1995, S. 53-56.