25. Juni

P. Johannes Schulte-Kückelmann OMI (1909-1972)

Am 25. Juni 1972 verbreitete sich die schockierende Nachricht wie ein Lauffeuer in der deutschen Provinz der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria: Der Provinzial, Pater Schulte-Kückelmann, war auf einer Autobahnbaustelle mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammengeprallt und dabei tödlich verunglückt. Am Sonntag zuvor hatte er den Mitbrüdern im Mainzer Kloster noch über das Evangelium „Sorgt euch nicht um euer Leben!“ gepredigt.
Johannes Schulte-Kückelmann wurde am 9. November 1909 in Herten-Langenbochum, Westfalen, geboren. Er besuchte die nahe gelegene Volksschule und das Gymnasium. Stets tat er sich dabei als Klassenbester hervor. Mit 14 Jahren wechselte er auf die Missionsschule St. Karl. Seine Begabung begünstigte seinen schnellen Weg zum Ordensleben. Am 15. August 1927 legte er die ersten Gelübde ab, am 3. Juli 1932 wurde er von Bischof Damian von Fulda zum Priester geweiht. Aufgrund seines jungen Alters benötigte er hierzu eine Dispens.
Von 1933 an wirkte er als Volksmissionar von den Niederlassungen Essen, Lahnstein und Aachen aus. 1934 tat er sich in einer Predigt mit regimekritischen Äußerungen derart hervor, dass er zur Polizei zitiert wurde und eine Verwarnung erhielt. 1940 wurde er als Sanitätssoldat eingezogen, der risiko- und strapazenreiche Einsatz an der Ostfront blieb ihm dabei jedoch erspart.
Nach dem Krieg wirkte er hauptsächlich als Superior in den Häusern Niederlahnstein, Hünfeld, Essen und Aachen. Als Oberer suchte er die Häuser wohnlich einzurichten und pflegte ein aktives Kommunitätsleben. Auf ihn geht auch die Umwandlung der Schlafsäle in Hünfeld in Einzelzimmer zurück.
1964 wurde er Redaktionsleiter des Predigtwerkes „Gottes Wort im Kirchenjahr“. Zusätzlich übernahm er ab 1968 Aufgaben beim „Weinberg“. Er erklärte den besorgten Lesern die Änderungen im Zuge von Liturgiereform und kirchlicher Neuordnung des Heiligenkalenders und der Ablassordnung. Es ist verständlich, dass seine Beiträge in diesen stürmischen Zeiten oft Widerspruch hervorriefen. Beim Lesen seiner Darlegungen spürt man jedoch das Ringen nach kirchlicher Einheit – ein Zeichen seiner großen Liebe zur Kirche.
1967 wurde er – zum ersten Mal durch Wahl der Ordensmitglieder – Provinzial der deutschen Provinz. Seine Hauptsorgen galten dem stark zurückgehende Nachwuchs sowie die sich häufenden Austritte und Wildwüchse in der Provinz. Viel Mühe verwand er daher auf den Besuch der einzelnen Häuser sowie der Einzelposten. Das von ihm eingesetzte Provinzkapitel 1971 verschaffte der Provinz zusätzlichen Aufwind.
Sein Nachruf berichtet, dass er sich in seinem letzten Amtsjahr nach Ablösung sehnte. „Auf der Fahrt zu einem Oblatentreffen nahm der Herr ihm diese Last ab.“


Quellen:
P. Hermann Lembeck OMI: Nachruf auf den Verstorbenen.
P. Thomas Klosterkamp OMI: Oblate Heritage 13, German Oblate Resistance, S. 23.