31. Juli

P. Robert Streit OMI (1875 – 1930)

Er wollte gerne Missionar werden, der kleine Robert. Doch der Arzt hatte dringend davon abgeraten. Robert sei zu schwächlich für die Mission. Doch schon im Alter von 13 Jahren zeigte er eine große Intelligenz und Gewitztheit. Und so lieh er sich einen Taler, ging zu einem anderen Arzt und dieser stellte ihm das nötige Gesundheitszeugnis aus. Schweren Herzens ließen seine Eltern ihren am 27. April 1875 in Fraustadt bei Posen geborenen Schützling ziehen.
Robert Streit kam 1889 in das unter französischer Leitung stehende Knabenseminar St. Karl in Holland. 1895 begann er sein Noviziatsjahr im benachbarten St. Gerlach. Am 15. August 1896 legte er seine ersten Gelübde ab und kam ins internationale Scholastikat in Lüttich. 1897 wechselt er in das neue Studienhaus in Hünfeld und legte seine ewigen Gelübde ab. Bereits im Scholastikat zeigte sich, dass er ein begabter Schreiber war: Unter dem Pseudonym Bruder Eris OMI veröffentlichte die Kongregationszeitschrift „Maria Immaculata“ Gedichte von ihm.
Wegen seiner Talente und auch wegen seiner schlechten Gesundheit erhielt Pater Robert Streit nach seiner Priesterweihe am 28. April 1901 seine Erstobedienz für die Redaktion der „Maria Immaculata“. 1905 wurde er Schriftleiter und seine missionswissenschaftlichen Aufsätze erregten derartiges Aufsehen, dass er auf dem Hamburger Kolonialinstitut Vorlesungen über die Mission in den deutschen Kolonien gab.
Bereits 1911 hatte P. Streit das „Internationale Institut für missionswissenschaftliche Forschungen“ gegründet, das als seine erste Aufgabe die Herausgabe einer Missionsbibliographie ansah. Der erste Band der „Bibliotheca Missionum“ erschien 1916. Ein weiteres Anliegen war ihm die Verkündigung des Missionsgedanken durch Predigten.
Während des 1. Weltkriegs wirkte P. Streit als Pfarrer in Rückers bei Hünfeld und glaubte kaum noch, sein Werk fortsetzen zu können. Doch 1924 erschien der zweite Band seiner Reihe und im selben Jahr rief Papst Pius XI. den 49-jährigen nach Rom, damit er als Fachmann bei der vatikanischen Missionsausstellung mitwirke.
1925 wurde er zum Direktor der neuerrichten Missionsbibliothek ernannt und konnte so seine Arbeit an der Bibliographie noch effizienter fortsetzen. Papst Pius XI., ein großer Gönner der Mission, arbeitete oft mit ihm zusammen und verlieh ihm 1929 die goldene Jahresgedenkmünze.
Doch die Schreibtischarbeit zehrte an seiner Gesundheit. Am 31. Juli 1929 verstarb er im Frankfurter Marienkrankenhaus.
Pater Robert Streit gehört mit Sicherheit zu den bedeutendsten deutschen Oblaten. Er ist bestes Beispiel dafür, dass Gott unsere Schwachheit in Stärke zu verwandeln vermag, wenn wir fähig sind, die Schwachheit anzunehmen.


Quellen:
P. Bernhard Bahlmann OMI: Nachruf auf den Verstorbenen, Mai 1983.
P. Joh. Rommerskirchen OMI: Im Dienste des Missionsgedankens, in: Monatsblätter der Oblaten, 1930, S. 292-296.
P. Wilhelm Henkel OMI: Mission Animation Through Preaching According to Robert Streit, in: Vie Oblate Life, 1983, S. 25-30.