22. Juli

P. Jean-Baptiste Lemius OMI (1851-1938)

Der am 23. Mai 1851 in Montfort-en-Chalosse am Nordrand der Pyrenäen geborene Jean-Baptiste Lemius trat im Alter von 20 Jahren bei den Oblaten ein und wurde Mitglied der französischen Nordprovinz. 1872 legte er seine ersten, 1873 die ewigen Gelübde ab. Am 16. Juni 1876 empfing er die Priesterweihe.
Schon bald sich tat der junge Pater als Volksmissionar hervor. Voller Eifer und rednerischer Kraft sei er gewesen, so berichteten zeitgenössische Missionsberichte. Besonders intensiv widmete er sich der Männerarbeit, die ihm sehr ans Herz gewachsen war.
1893 wurde Pater Lemius an das französische Nationalheiligtum auf dem Montmartre versetzt. Voller Elan und Tatendrang widmete er sich dieser neuen Aufgabe. Zugute kam ihm dabei seine tiefe Verehrung des heiligsten Herzens Jesu, die in der Basilika Sacre-Coeur ein gutes Schaffensfeld gefunden hatte. Zeitgenössische Historiker berichten übereinstimmend, dass unter seinem Superiorat die Arbeit der Oblaten auf dem Montmartre aufblühte. 1895 holte P. Lemius die „Freunde der Armen“ an die Basilika, er richtete eine Arbeitsvermittlung ein, Essen und Trinken für Obdachlose wurde angeboten. Doch auch die religiöse Unterweisung kam nicht zu kurz: Der „wortgewaltige“ Prediger gab unermüdlich Katechismusunterricht, hörte Beichten und organisierte Männerwallfahrten, so 1896 eine Männerwallfahrt mit 2000 Pilgern nach Reims anlässlich der Feier der Taufe von König Chlodwig.
Pater Lemius hatte erkannt, dass es schwerfiel, in der Predigt seine Zuhörer zu erreichen. Daher suchte er nach neuen Wegen und gründete 1897 die Zeitschrift „Echo de la Mission“, die mit großem Erfolg zweimal wöchentlich erschien.
1903 wurde Pater Lemius Provinzial der französischen Nordprovinz. Ihm fiel die schwere Aufgabe in einer Zeit schwelender Konflikte mit dem französischen Staat zu.
Pater Lemius starb am 22. Juli 1938 nach einem erfüllten Leben. Sein geistliches Vermächtnis, gerichtet an seine jüngeren Brüder, gibt Aufschluss über seine Hingabebereitschaft: „Mit Christus sind wir durch das Opfer mit Gott vereinigt und unsere Oblation ist dasselbe Opfer wie das des Altares.“


Quellen:
Harry E. Winter OMI: Searching for the Lemius Family, in: Vie Oblate Life, Dec. 98, S. 505ff.
Vgl. auch: ders.: Joseph Lemius OMI. Liberal or Conservative?, in: Vie Oblate Life, Aug. 93, S. 229ff.