15. Juli

Choleraepidemien in Marseille (1854)

In einem Brief an P. Courtès schreibt Eugen von Mazenod am 17. Juli 1854: „Im Augenblick ist die Krankheit in einer Stagnation; es ist wahr, dass die Zahl der Toten pro Tag über einhundert hinausgeht; aber 60 bis 65 sind tote Kinder gewesen.“ Dies beschreibt die Zustände während einer der Choleraepidemien, die Eugen von Mazenod als Bischof von Marseille erlebt. Insgesamt wurde Marseille fünfmal von Cholera heimgesucht, besonders schwer im Jahr 1854.
Am 15. Juli 1854 schreibt Bischof von Mazenod an P. Fabre, er habe sich dem Meinungsdruck gefügt und als ein wirksames Heilmittel zum Überleben Dispens von der Abstinenz der Freitage und Samstage gegeben. Gleichzeitig hat Bischof von Mazenod ein Tagesgebet, ein Opferungsgebet und ein Postcommuniogebet in der Messe und ein Gebet beim Segen vorgeschrieben. Die Bevölkerung von Aix ist damit nicht zu frieden. Sie setzen mehr auf außerordentliche Zeichen wie Novenen und Prozessionen um von der Ansteckung aus Marseille bewahrt zu bleiben.
Während der Epidemie sind insgesamt 60.000 Menschen geflohen, um sich vor der Krankheit in Marseille zu schützen. In seinen Briefen hielt Bischof von Mazenod seine Mitbrüder an, beim Essen maßzuhalten, besonders abends, und darauf zu achten, keinen Durchfall zu bekommen. Bischof von Mazenod sagte während der Epidemie alle seine Termine ab, da er ein Beispiel geben und in Marseille vor Ort sein wollte. Die Oblaten sorgten sich Tag und Nacht um Kranke und Sterbende. Sie waren durch die vielen Besuche bei den Kranken völlig erschöpft. Am 23. Juli 1854 schrieb die „Gazette du Midi“ über die bewundernswerte Aufopferung der Ordensleute in dieser schweren Zeit. Weiter lesen wir, dass das Gebet die Christen im Kampf gegen die Krankheit vereinigte.
Am 04. August 1854 schreibt Bischof von Mazenod in einem Brief an P. Courtès in Aix: „Unsere Lage hat sich einzigartig verbessert. Ohne Zögern schreibe ich die Besserung den feierlichen Gebeten zu, die ich angeordnet habe und die mit Eifer aufgenommen worden sind.“ An dem Tag, als Eugen die Gebete angeordnet hatte, standen die Sterbefälle bei 192 und die Ärzte befürchteten ein Ansteigen der Toten. Nun sind die Todesfälle auf 25 zurückgegangen, trotz der Rückkehr, Zehntausender, die geflohen waren. In den folgenden Tagen geht die Zahl der Toten immer mehr zurück. Eugen schreibt an P. Martinet: „Niemals habe ich ein spürbareres Ergebnis der Wirksamkeit des Betens gesehen.“


Quellen:
Eugen von Mazenod: Briefe an Oblaten in Frankreich, Bd. 11, Nr. 1218-1239.
Dictionnaire Historique des OMI, S. 256-258.
Philip Scharsch OMI: Geschichte der Kongregation OMI, Bd. 1.
Robrecht Boudens: Ritter Christi, S. 155-161.