8. Juli

Joseph Hippolyte Kardinal Guibert OMI (1802 – 1886)

Wie der heilige Eugen von Mazenod war auch Joseph Hippolyte Guibert ein Bürger der Stadt Aix-en-Provence. Der Sohn eines Landwirts und Gärtners trat 1819 in das von den Sulpizianern geleitete Seminar der Diözese ein, wechselte 1823 jedoch in das Noviziat der Missionare der Provence. Seine Gelübde – damals sofort ewige Gelübde – legte er am 29. Dezember 1823 ab. Am 14. August 1825 wurde er in Marseille zum Priester geweiht.
Nach seiner Priesterweihe übte P. Guibert verschiedene Tätigkeiten aus, u.a. als Novizenmeister. Von 1829 bis 1834 leitete er als Superior die Niederlassung am Wallfahrtsort Notre-Dame du Laus. Mit 32 Jahren schiffte er sich nach Korsika ein, um dort die Leitung des diözesanen Priesterseminars von Ajaccio zu übernehmen. Zudem war P. Guibert von 1831 bis 1850 Generalassistent, damit die rechte Hand des Stifters und ein starker Verfechter des missionarischen Eifers und der Ausbreitung der Kongregation in die Weltmission.
Doch er sollte für höhere Aufgaben bestimmt sein: Am 10. August 1841 gab die Zeitung L’Ami de la Religion die Ernennung P. Guibert zum Bischof von Viviers bei Lyon bekannt. Am 11. März 1842 weihte Eugen von Mazenod den erst 40-jährigen zum Bischof. Während dieser Zeit berief er die Oblaten an den Wallfahrtsort Notre-Dame des Bon Secours. Schon in dieser relativ kleinen Diözese machte Msgr. Guibert von sich reden, weil er sich aktiv an der kirchlichen Diskussion in Frankreich beteiligte.
So war die Ernennung zum Erzbischof von Tours 1854 die logische Konsequenz. Zuvor hatte Guibert die Metropolitansitze von Avignon, Grenoble und Aix ausgeschlagen. Die Kathedrale dieses traditionsreichen Ortes war von Revolutionären zerstört worden und ihr Wiederaufbau war eine der vordringlichsten Aufgaben des Bischofs. Es ist Erzbischof Guibert zu verdanken, dass die Verehrung und die Wallfahrt zum Grab des hl. Martin, die fast zum Erliegen gekommen war, wiederaufgenommen wurde. Am 14. Dezember 1860 entdeckten Erdarbeiter die Grabstätte des Heiligen, die schon in Vergessenheit geraten war, neu. 1867 siedelte Erzbischof Guibert Oblaten in seiner Diözese an, die vor allem in der Mission und in der Betreuung der sich immer zahlreicher einfindenden Wallfahrer tätig waren.
1871 wurde, in den Unruhen nach dem deutsch-französischen Krieg, der Erzbischof von Paris, Msgr. Georges Darboy, von Kommunisten erschlagen. Die schwere Aufgabe seiner Nachfolge fiel an Erzbischof Guibert, der am 27. Oktober 1871 dieses Amt antrat. Während seiner 15 letzten Lebensjahre konnte Joseph Hippolyte Guibert, der 1873 Kardinal geworden war, segensreich wirken. Unter seiner Leitung wurde das französische Nationalheiligem „Sacre Coeur“ auf dem Montmartre errichtet und die Nation dem heiligsten Herzen Jesu geweiht. Auch die Katholische Universität von Paris wurde unter seinem Episkopat errichtet. Joseph Hippolyte Kardinal Guibert verstarb am 8. Juli 1886 im Alter von 83 Jahren. Er wurde zunächst in der Kathedralkirche begraben, 1925 wurden seine sterblichen Überreste jedoch in die Krypta von „Sacre Coeur“ übertragen.


Quellen:
A.É.R.O. (Hrsg.): Dictionaire Historique des Missionnaires Oblats de Marie Immaculée, S. 320ff.
Philipp Scharsch OMI: Geschichte der Kongregation OMI Bd. 2/I (vgl. Index).