1. Juli

Gründung des Marianischen Missionsvereins (1894)

Ein Jahr nach der Gründung der Zeitschrift „Maria Immaculata“ rief Frater Max Kassiepe am 1. Juli 1894 in St. Karl den „Marianischen Missionsverein“ (MMV) ins Leben. Er lehnte sich dabei an ein Missionsförderungswerk der Oblaten an, das in anderen Ländern bereits bestand. In diesen Ländern jedoch besaß die Vereinigung von Missionsfreunden keine feste Organisation, was ihre Wirksamkeit minderte. Max Kassiepe gibt dem Missionswerk in Deutschland eine feste Organisation, dessen Hauptzweck das Gebet für die Mission, die finanzielle Unterstützung zur Ausbildung des Ordensnachwuchses und der Missionsarbeit der Oblaten in Südafrika, Südwestafrika (Namibia) und Paraguay ist. Die Zeitschrift „Maria Immaculata“ wurde das Organ des Marianischen Missionsvereins. Seit der Gründung des Vereins wurde fast jedes Jahr ein Jahresbericht herausgegeben. 
1895 hat der MMV bereits 20.000 Mitglieder. Pater Max Kassiepe leitet den MMV bis 1896. Ende 1897 kam der Sitz des MMV nach Hünfeld. Seine Nachfolger bis 1920 sind P. Johannes Wallenborn und P. Reinhold Simon. Es folgen P. Stephan Jurczek (1920-1926), P. Alois Backhaus (bis 1928), P. Otto Wiegand (bis 1935) und P. Paul Joest (bis 1947). Die Mitgliederzahl ist nach dem Krieg auf 86.650 angewachsen. P. Franz Trimborn leitet den MMV bis 1950 und P. Alfons Schrodi bis 1961. 1961 gehören dem MMV 200.000 Mitglieder an. Direktor des MMV sind in der Folge: P. Dominikus Schmitz (bis 1975), P. Heinrich Döing (bis 1985) und P. Horst Ueberall (bis 2004). 1995 zählte der MMV 77.654 Mitglieder mit 2.606 Förderinnen und Förderern. Seit 1. Juli 2004 ist P. Günther Kames Direktor des MMV.
Die Ziele des MMV sind das christliche Leben und die Verehrung der Gottesmutter zu fördern und zu pflegen, Missionsberufe zu wecken und zu fördern und die Oblatenmission bei der Evangelisierung der Völker zu unterstützen. Um jedes Jahr ein bestimmtes Missionsprojekt zu finanzieren, wird vom MMV und Weinberg seit Mitte der 80er Jahre eine Weihnachtsaktion durchgeführt.


Quellen:
G. Kames: Die Geschichte der Oblaten in Deutschland von 1895 bis 1995, Mainz 1995, S. 13.
Th. Kroiß: Das Ausbreiten und Wirken der Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria in Deutschland 1895-1995, Burg Lantershofen 1995, S. 95/96.
M. Kassiepe: Vor fünfundzwanzig Jahren, in: Monatsblätter 26 (1919) 135/8.
J. Krasenbrink: Und sie gingen in seinen Weinberg. 100 Jahre deutsche Ordensprovinz der OMI, Mainz 1995, S. 186/191.

1. Juli

Oblaten gehen in die Donaumonarchie (1912)

Schon sehr bald hatte die Kongregation versucht, in Österreich Fuß zu fassen. Der Provinzial, P. Simon Scharsch war befreundet mit Stephan Esders in Brüssel, der grössere Konfekionshäuser in mehreren europäischen Hauptstädten hatte. Neben seiner Villa in Wien hatte er eine Kirche mit Pfarrhaus erbaut, die er gerne den Oblaten übergeben hätte.
Provinzial P. Scharsch schrieb (vermutlich schon im Jahre 1900) an das Ordinariat in Wien, um die Zulassung des Ordens in Wien zu erbitten. Als seine Beweggründe führte er den in der Stadt Wien herrschenden Priestermangel und die sich immer weiter ausbreitende Los-von-Rom-Bewegung an. Neben diesen Motiven war aber vor allem das Interesse an Neugründungen im deutschsprachigen Ausland leitend. In Deutschland selbst war damals eine weitere Niederlassung nur schwer möglich – oder praktisch unmöglich.
Obwohl diesem Gesuch keine Antwort folgte und bald darauf waren Neugründungen möglich auch in Deutschland, blieb dass Interesse an der Donaumonarchie lebendig, da man mit Schwierigkeiten politischer Natur in Deutschland rechnete.
Provinzial P. Kassiepe befürchtete auf Grund des rapiden Anwachsens der Sozialdemokratie einen ähnlichen Kulturkampf wie in Frankreich, der zur Vertreibung der Ordensleute führen könnte. Für diesen Fall wollte er Niederlassungen im benachbarten Ausland haben, wenn möglich an der Grenze zu Deutschland. So entstanden die ersten Niederlassungen in der Donaumonarchie – in Frischau in Südmähren und in Warnsdorf in Nordböhmen.
Der Provinzial erteilte dem P. Karl Heim, der auch tschechisch sprach, die Obödienz nach Südmähren. Um sich in die Verhältnisse einzugewöhnen, trat er im Dezember 1911 eine Stelle als Kaplan an, bis die Pfrarre Frischau den deutschen Oblaten übertragen wurde.
P. Heim wurde ab 1. Juli 1912 Pfarrer in Frischau, P. Josef Montag wurde ihm als Kaplan beigegeben und Br. Bernhard Erdmann kam, um die Hausarbeiten zu besorgen.


Quellen:
Eckelbauer, Günther: Von der tschechoslowakischen zur österreichischen Ordensprovinz der Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (1911-1947), unpublizierte Diplomarbeit an der Kath.-Theol. Hochschule Linz: Linz 1990.

1. Juli

P. Almanzar Ménard OMI (1909 – 1966)

P. Almanzar Ménard wurde am 14. Juni 1906 im kanadischen Cèdres geboren. Nach Abschluss des Colleges in Valleyfield trat er bei den Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria ein und machte sein Noviziat im Villa-Lasalle. Am 24. Juni 1934 wurde er von Erzbischof Joseph Forbes (1865-1940) in Ottawa zum Priester geweiht. Er wurde für Mission in Lesotho bestimmt und kam dort Ende 1935 an.
31 Jahre seines Lebens hat er den Basutos gewidmet. Er arbeitete in Schulen und Pfarrgemeinden, engagierte sich bei verschiedenen gesellschaftlichen Projekten, sorgte für Arme, Alte und Kranke, aber vor allem widmete er sich den Dienst an Wort und Sakrament. Er arbeitete in sieben Missionen: Montolivet (1935-36), Hermitage (1936-37), Roma (1937-38), St. Paul (1938-40), Tśepo (1940-50), St. Benedict (1950-64) und St. Peter Claver (1964-66), wo er in der Nacht von 30. Juni auf 1. Juli 1966 brutal ermordet wurde.
P. Ménard wurde in dem von ihm gebauten Priester-Haus in Tsoeneng, 25 Meilen südlich von Maseru, von einer Schwester tot aufgefunden. Er lag inmitten seines Blutes. Eine spätere Autopsie enthüllte, dass er brutal geschlagen und gepeitscht worden war. Er erlitt 20 große Stich- und Schnittwunden in seinem Rücken und sein Schädel war an drei Stellen eingeschlagen worden. Nach einer weiteren Untersuchung wurde bewiesen, dass eine große Menge seines Blutes aus seinem Körper abgesaugt und verschwunden war. Das erweckte den Verdacht eines rituellen Mordes. Sechs Männer wurden verhaftet und des Mordes an P. Ménard schuldig gesprochen. Aber das Motiv für den Mord wurde nie geklärt.
Am 3. Juni 1966 versammelte sich in der Oblaten-Kirche in der Stadt von Mazenod (Lesotho) eine große Menschenmenge, um P. Ménard die letzte Ehre zu erweisen. Drei Bischöfe mit zahlreichen Priestern feierten das Requiem für P. Almanzar Ménard.
P. Ménard war überall sehr beliebt gewesen. Er war bekannt als ein Mann des Gebets, und wurde besonders von einer Anzahl Priester und Ordensleute verehrt, deren Berufung er angeregt hatte.


Quellen:
James M. FitzPatrick, Oblate Heritage 7. Oblate Witnesses 1831-1997, Rome 1998, S. 35-37.