17. Januar

P. Casimir Aubert OMI (1810-1860)

P. Casimir Aubert wurde am 30.9.1810 in Digne-les-Bains geboren. Von P. Guibert zu den Oblaten geführt, trat er am Heiligabend 1826 in das Noviziat ein und empfing am 6.4. 1833 als erster Oblate überhaupt von Eugen von Mazenod die Priesterweihe. Noch im selben Jahr wurde ihm das Amt des Novizenmeisters übertragen, das er bis 1841 ausübte. Zusätzlich lehrte er für jeweils ein Jahr Philosophie und Dogmatik in Marseille, war verantwortlich für die spirituelle Ausbildung der Scholastiker und arbeitete als Privatsekretär des Stifters, zu dem er eine sehr enge Beziehung aufbaute. 1837 wurde er außerdem zum Superior von Le Calvaire in Marseille und zum Generalsekretär der Kongregation ernannt, ein Amt, das er bis zu seinem Tode 1860 innehaben sollte. In diesem Jahr begann auch seine erste Amtsperiode als Generalassistent, die bis 1841 dauern sollte.
1842 brach P. Aubert nach Großbritannien auf, um nach einer Möglichkeit zu suchen, dort Oblaten anzusiedeln. Die Gründung eines Hauses im katholischen Irland scheiterte jedoch am Widerstand der irischen Bischöfe. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Dozent am St. Marys College in Youghal wandte sich P. Aubert nach England und konnte dort 1843 die erste Niederlassung auf anglo-irischem Boden in Penzance gründen. 1844 kehrte er nach Frankreich zurück, unternahm bis zu seinem Tod aber noch insgesamt neun Visitationen in Großbritannien, und verbrachte insgesamt etwa viereinhalb Jahre auf anglo-irischem Boden. Er gilt mit Recht als Gründer der anglo-irischen Provinz.
Nach seiner Rückkehr kamen nun wiederum viele und vielfältige Aufgaben auf ihn zu: neben seinen Aufgaben als Sekretär übernahm er zusätzlich das Amt des stellvertretenden Novizenmeisters und hielt Vorlesungen in Moraltheologie. Dazu kam die Leitung der Missionsprokur. In den Jahren 1846 und 1856 wurde P. Aubert wiederum zum Generalassistenten gewählt, 1854 zum Provinzial der 1. französischen Provinz, der bedeutendsten Provinz der Kongregation, ernannt. Dieses Übermaß an Arbeit konnte jedoch nicht spurlos an ihm vorübergehen: plötzlich und unerwartet starb P. Aubert am 17. Januar 1860 mit nur 50 Jahren an einem Schlaganfall. Mit ihm verlor die Kongregation eines ihrer am meisten geschätzten Mitglieder. Vor allem der Stifter war untröstlich über den Verlust seines „geliebten Sohnes“, wie er ihn manchmal nannte. In sein Tagebuch schrieb er: „Der heilige, unvergleichliche P. Aubert ist so plötzlich gestorben […] Lass meine Tränen nur rinnen, das ist alles, was ich tun kann.“


Quellen:
Yvon Beaudoin, Father Casimir Aubert, Collection Oblate Writings II,5, Rom 1998.

17. Januar

Jean-Marie-Rodrigue Kardinal Villeneuve OMI (1883-1947)

Nur wenige Oblaten haben das kirchliche Leben Kanadas mehr geprägt als der französischsprachige Arbeitersohn Jean-Marie-Rodrigue Villeneuve. 16 Jahre lang leitete er die Geschicke der Erzdiözese Ottawa, des bedeutendsten Bischofssitzes des Landes. Sein Einsatz für die Armen und seine klare Sprache gegen jede Form des Totalitarismus ist in Kanada noch heute ein Begriff.
Jean-Marie-Rodrigue Villeneuve wurde am 2. November 1883 in der Industriestadt Montreal geboren. Der Sohn einer katholischen Arbeiterfamilie bekommt hier sein Charisma in die Wiege gelegt: Den Armen die frohe Botschaft zu verkünden, ohne dabei die soziale Gerechtigkeit außer Augen zu verlieren. Mit 18 Jahren, am 15. August 1902, legt er seine ersten Gelübde ab, die ewigen folgen am 8. September 1903. Am 25. Mai 1907 wird er zum Priester geweiht. Im Anschluss wird der wissenschaftlich begabte Mann im Scholastikat St. Josef in Ottawa eingesetzt. Hinzu kommt eine Professur an der Oblaten-Universität in der Stadt. 1920 wird er Superior des Scholastikats und baut ein umfangreiches Exerzitienprogramm für interessierte Laien und Weltpriester auf.
1930 wird er auf den Bischofssitz von Gravelbourg berufen und am 11. September geweiht. Bereits ein Jahr später, am 11. Dezember 1931, wird er zum Erzbischof von Ottawa ernannt und soll die Leitung dieses wichtigen Sprengels entscheidend prägen. Den Kardinalshut erhält er 1933. Er setzt sich für die verarmten Arbeiter ein, indem er bei Streiks eingreift und die soziale Verpflichtung des Großvermögens anmahnt, organisiert die erste Großstadtmission in Kanada und gründet Jugendverbände und Initiativen im Rahmen der „Katholischen Aktion.“ Geradezu prophetisch mit Blick auf das zweite Vatikanum ist sein Appell in einem Hirtenbrief, wo er deutlich macht, dass nur Laien die Neudurchdringung der Welt mit christlichen Gedankengut herbeiführen können.
Im Alter von 63 Jahren verstirbt Kardinal Villeneuve unvermittelt. Sein Testament gibt Zeugnis für die Durchdringung oblatischer Spiritualität: Er trägt auf, von Kranz- und Blumenspenden abzusehen, die Liturgie einfach zu halten, um die ersparten Gelder den Armen, für die er sich schon im Leben so eingesetzt hat, zukommen zu lassen.


Quellen:
Monatsblätter der Oblaten, 1947, S. 68 ff.: P. Karl Roberts OMI, Kardinal Roderich Villeneuve zum Gedenken.