11. Januar

Pater General Leo Deschâtelets (1899-1974)

Leo Deschâtelets wurde am 8. März 1899 in Montréal, Kanada geboren. Nach Beendigung seiner Gymnasialzeit am Kolleg der Sulpicianer in Montréal, trat er am 12. Mai 1918 in das Noviziat der Oblaten in Ville la Salle ein. Am 13. Mai 1919 legte er die ersten Gelübde ab und am 19. März 1922 hatte er seine Ewige Profeß. Das Studium der Philosophie und Theologie absolvierte er in Ottawa. Er war ein ausgezeichneter Student und erwarb 1921 das Bakkalaureat in Philosophie, 1926 in Theologie, 1931 in Kirchenrecht und 1930 das Doktorat in Theologie.
Am 6. Juni 1925 wurde Leo Deschâtelets in Ottawa zum Priester geweiht und sofort als Professor an das St. Joseph Scholastikat nach Ottawa versetzt, dem er von 1938 an auch als Superior vorstand. 1933 verbrachte Pater Deschâtelets die meiste Zeit in Rom, um die reiche Schriftensammlung von Bischof de Mazenod im Generalhaus für das Archiv des Scholastikates in Ottawa zu kopieren.
Er wirkte über den Kreis seiner unmittelbaren Aufgaben hinaus für die missionarische Orientierung des kanadischen Klerus, organisierte den Priestermissionsbund und war Präsident der kanadischen Missionswochen. Am 21. November 1944 wurde er zum Provinzial der ostkanadischen Provinz ernannt.
Pater Deschâtelets wurde am 2. Mai 1947 auf dem Generalkapitel zum Generaloberen der Kongregation gewählt. In den Zeitraum seines 25-jährigen Generalsuperiorates fällt eine beachtliche Entwicklung der Kongregation und ihrer Tätigkeit. Die Mitgliederzahl stieg von 5545 Oblaten im Jahre 1947 auf 7890 im Jahre 1957 und als er 1972 sein Amt zur Verfügung stellte, stand die Mitgliederzahl gerade unter 7000. Die Zahl der Provinzen und Vizeprovinzen erhöhte sich von 35 auf 49; neue Missionsaufgaben wurden übernommen: in Japan, Chile, Surinam, Tschad, Bolivien, Dänemark, Grönland, Peru, Schweden, Brasilien, Malaysia, Thailand und Neuseeland. Entsprechend der äußeren Entfaltung mühte P. General Deschâtelets sich um die Erneuerung im Innern, wie sie das Konzil von den Orden forderte. So sehr er sich der Tradition und dem Erbe des Stifters verpflichtet wußte, so sehr war er auch überzeugt, daß beide nur in der Offenheit für das heute Notwendige lebendig bleiben können.
Er nahm als Konzilsvater an jeder Sitzung des II. Vatikanischen Konzils teil. P. Deschâtelets war Mitbegründer der Vereinigung der Generalsuperioren, der SEDOS (Dokumentations- und Studiendienst) und des Reisebüros für Missionare RAPTIM.
Wegen seiner mangelnden Gesundheit und seiner zunehmenden Taubheit trat Leo Deschâtelets beim Generalkapitel von 1972 am 8. Mai offiziell von seinem Amt zurück. Er war der letzte Generalobere der Kongregation, der noch auf Lebenszeit gewählt worden war.
Er kehrte nach Ottawa zurück und gab in Kanada und den Vereinigten Staaten Exerzitien und Konferenzen für Ordensleute. 1973 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen nach St. Agathe-des-Monts zurück. Am 11. Januar 1974 verstarb Pater Leo Deschâtelets in Ottawa. Er wurde auf dem Oblatenfriedhof, Richelieu, in Quebec beigesetzt.


Quellen:
Nachruf P. Deschâtelets, Weinberg 75 (1974) 79.
D. Lavasseur, A History of the Missionary Oblates of Mary Immaculate, Bd. II (Rom 1989) 311/23.
OMI Information 89/1974.
G. Carrière, Dictionnaire biographique des Oblats de Marie Immaculée au Canada, Bd. I. (Ottawa 1976) 274.