27. Februar

Die Schließung des Bonifatiusklosters (1941)

Die deutschen Oblaten werden oft und gerne Hünfelder Oblaten genannt. Dies geht zurück auf die Gründung des Bonifatiusklosters in der Stadt im Jahre 1895. Die Gründung dieses Klosters kann mit Fug und Recht als Gründung der deutschen Ordensprovinz gelten. Die Bürger von Hünfeld unterstützten den Neubau mit der Schenkung von Bauland und Baumaterialien sowie mit Zug- und Spanndiensten.
Umso schlimmer war es, als die Geheime Staatspolizei am Aschermittwoch, den 26. Februar 1941, ins Kloster eindrang und verkündete, dass das Kloster geräumt werden müsse. Vorgeschobener Grund waren angebliche Verstöße gegen Lebensmittelbestimmungen auf dem Wendelinushof in Molzbach. Heute weiß man jedoch, dass der Gauleiter des Gaus Kurhessen dem „Führer“ ein klosterfreies Gau schenken wollte. Schon zuvor war das Franziskanerkloster auf dem Frauenberg bei Fulda geschlossen worden.
Schon vorher waren die klösterlichen Einrichtungen mehr und mehr in die Kriegsumstände hineingezogen worden. Ein Luftschutzkeller war eingerichtet worden, Teile des Klosters dienten der Beherbergung von Flüchtlingen sowie als Truppenlazarett.
Nachdem die Schließung des Klosters bekannt gegeben worden war, wurde der Ein- und Ausgang ins bzw. aus dem Kloster untersagt. Doch gelang es einigen Mitbrüdern, über die Klostermauer sakrale Gegenstände an helfende Hünfelder zu geben. Der Bruder von Pater Arthur Krimmel fuhr im Durcheinander mit einem Traktor vor und schaffte eine Wagenladung von Gütern nach Sargenzell. Diese Dinge wurden dann unter der Bevölkerung verteilt. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Gegenstände nach dem Krieg zurückgegeben worden.
Die Oblaten bekamen Gauverbot und mussten schon am Morgen des 27. Februar mit sehr wenig Gepäck in andere Regionen umziehen. Die Scholastiker kamen in Obermedlingen unter, wurden nach und nach jedoch von der Wehrmacht eingezogen.
Die Hauskapelle des Klosters diente von nun an als nationalsozialistischer Schulungsraum. Alle sakralen Gegenstände wurden entfernt und der Altar durch das Aufstellen einer Hitler-Büste geschändet und entweiht. Die wissenschaftliche Bibliothek wurde nach Berlin gebracht.
Nach dem Krieg wurde das Kloster kurzzeitig von US-Truppen verwendet und 4. September den Oblaten, die zuvor das Josefsheim bezogen hatten, zurückgegeben.


Quellen:
Interview mit Pater Krimmel am 24. Februar 2005
Augenzeugenbericht von Frau Mechtild Scheunemann
P Günther Kames OMI, Die Geschichte der Oblaten in Deutschland von 1895 bis 1995, Mainz 1995, S. 58.
Fr. Thomas Kroiß OMI, Das Ausbreiten und Wirken der Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria in Deutschland 1895 – 1995, S. 35.
P. Robert Becker OMI, Das Bonifatiuskloster in Hünfeld, in: Monatsblätter, Bd. 47 (1946), S. 38.