19. August

Eröffnung des Scholastikats in Obra (1926)

Die Geschichte des Scholastikates in Obra ist eng verknüpft mit jener der polnischen Provinz. Das heutige Polen gab es nicht. Im 18. Jahrhundert gab es kein polnisches Staatsgebiet. Es erlangte erst 1918 die völkerrechtliche Unabhängigkeit. Deshalb wurden die ersten polnischen Oblaten im Juniorat St.Karl in Valkenburg und im Noviziat bzw. Scholastikat in Hünfeld ausgebildet. Bis 1920 sind etwa 50 Eintritte aus Polen verzeichnet.
Vor allem durch das Wirken von Pater Jan-Wilhelm Kulawy OMI beeinflußt, beschloss das Generalkapitel am 14.09.1919 die Gründung einer polnischen Kommunität, die direkt dem Generaloberen unterstand. Der Grundstein für die erste Oblatenkommunität in Polen wurde im Juni des darauffolgenden Jahres in Krotoszyn gelegt. Hier wurde sogleich ein Juniorat errichtet für die aus Polen stammenden Kandidaten. Es begann 1920 mit 29 Junioristen. Ein Jahr später wurde in Markowice das Noviziat errichtet. Im Mai 1922 konnte durch deutsche Vermittlung schließlich das Scholastikat in Krobia errichtet werden. Die Eröffnungsmesse wurde am 12. August 1923 gefeiert und schnell füllte sich das Haus mit Bewohnern. In den folgenden Jahren erlebten die Oblaten in Polen einen großen Zuwachs. 1925 konnte man bereits auf drei Häuser, 40 Oblaten, 16 Novizen und 175 Junioristen verweisen, so dass das polnische Vikariat am 13. Juni 1925 in den Status einer Provinz erhoben wurde.
Nur ein Jahr später übertrug Edmund Kardinal Dalbor, Erzbischof von Gnesen und Posen, den Oblaten das ehemalige Zisternzienserkloster in Obra sowie die dazugehörige Pfarrei. Die Oblaten nahmen das Haus am 19. August 1926 in Besitz, und verlegten das Scholastikat nach Obra. Noch am selben Tag zog die erste Kommunität dort ein, die aus dem Superior, Pater Paul Kulawy, drei Brüdern und 18 Scholastikern bestand.
Sie sahen sich dem Erbe von 700 Jahren zisternziensischen Lebens gegenüber. Die enorme Schlichtheit der Gebäude und ihrer Einrichtung war von Beginn an eine Herausforderung. In Obra galt es, auf den Ruinen des Alten ganz neu zu beginnen, wie es schon Eugen von Mazenod getan hatte.
Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es den polnischen Oblaten, die Zahl der Bewohner stetig zu erhöhen. Im Jahr 1938/9 wurde gar die Zahl von 92 Scholastikern erreicht, von denen 27 im Jahr 1939 zu Priestern geweiht wurden. Der zweite Weltkrieg ging an der polnischen Provinz nicht spurlos vorbei. Nahezu alle Häuser gingen verloren, und viele Mitbrüder starben in den Wirren des Krieges.
Im September 1939 besetzten deutsche Truppen auch Obra so dass das Scholastikat seinen Betrieb vorerst einstellen musste. Schon am 27. Januar 1940 wurden fast alle Oblaten in Obra verhaftet und in das Gefangenenlager Komorow deportiert. Nur Pater Wojciech Golus blieb in Obra, wurde jedoch später gezwungen, das Kloster zu verlassen. Das Haus wurde zur Polizeischule, später zum Hospital für Tuberkulose-Patienten. Die überlebenden Scholastiker konnten ihre Studien in Deutschland, Italien und Irland vollenden, so dass während des Krieges trotz allem 32 Oblaten aus Obra zum Priester geweiht werden konnten.
Bereits kurz nach Ende des Krieges wurde mit den Wiederaufbauarbeiten begonnen. Seitdem wurde das Haus beständig vergrößert. Bis heute sind aus der „Alma Mater Obrensis“ mehr als 650 Oblaten hervorgegangen.


Quellen:

75th Anniverary of the Existence of the Oblate Scholasticate in Obra in: Vie Oblate Life 1/02 , S. 131ff.