8. April

P. Henry Tempier OMI (1788-1870)

François de Paule Henry Tempier wurde am 2. April 1788 in Saint-Cannat in der Diözese Aix geboren. Er wuchs als fünftes von sechs Kindern auf dem Bauernhof seiner Eltern auf. Als nach dem Konkordat von 1801 in Aix wieder ein kleines Seminar eröffnet wurde, begann er dort seine Studien. Nach Abschluss des Studiums der Philosophie und Theologie empfing er am 26. März 1814 die Priesterweihe und begann sein Wirken als Vikar in Arles.
Als Eugen von Mazenod ihn im Herbst des Jahres 1815 bittet, einer seiner ersten Gefährten, bei der Gründung der Missionare der Provence zu werden, stimmt er sofort zu. Von Anfang an versteht er das apostolische Ideal Eugen von Mazenods und teilt dessen Vorstellung vom priesterlichen und gemeinschaftlichen Leben. Während seine Mitbrüder Missionen predigen, bleibt er hauptsächlich in Aix und kümmert sich dort um die Jugendlichen, um die Ausbildung der Postulanten und Novizen und um die Seelsorge in der Kirche der Mission.
Schnell wird P. Tempier zum Freund und engsten Vertrauten Eugens. Henry Tempier war zudem der Beichtvater und geistliche Begleiter Eugen von Mazenods. Am 11. April 1816 legen die beiden das Gelübde des gegenseitigen Gehorsams ab. P. Tempier hat dies dem Stifter gegenüber immer in vorbildlicher Weise erfüllt, aber seinerseits auch nicht gezögert, in wichtigen Fällen Eugen von Mazenod im Namen des Gehorsams Anweisungen zu erteilen.
Henry Tempier war ein ruhiger und zurückhaltender Charakter, der seine Emotionen kontrollierte. So unterschied er sich vom Stifter und ergänzte ihn gleichzeitig. Sein Leben war immer geprägt von tiefer Demut, unermüdlicher Hingabe, einer großen Treue zu Gebet und Regel und der Freude an der brüderlichen Liebe.
In der Kongregation war P. Tempier als Generalassistent und Generalvikar tätig und unternahm viele kanonische Visitationen. Er sorgte von Beginn an für die Ausbildung der Novizen, zunächst in Aix, dann von 1820-1822 in N.-D. du Laus, später war er Superior des Seminars von Marseille und ab 1854 des Scholastikates von Montolivet. Auch die Aufgabe des Generalökonoms übte er lange aus. Er unterstützte unermüdlich den Stifter in allen wichtigen Angelegenheiten. Von 1823 bis 1861 war er außerdem Generalvikar von Marseille und hatte so großen Anteil am Aufschwung der Diözese.
Nach dem Tod des Stiters lebte P. Henry Tempier von 1862 bis 1870 im Generalhaus in Paris und war Generalassistent und dortiger Superior. Im November 1869 wurde er ernsthaft krank, wovon er sich nicht mehr erholte. Er starb in der Nacht vom 08. auf den 09. April 1870 in Gegenwart P. Fabres und der Kommunität von Paris. Begraben wurde er auf dem Friedhof des Montmartre.


Quellen:
Dictionnaire Historique des OMI, Rom 2004, S. 704-710.
Yvon Beaudoin, François de Paule Henry Tempier, Rom 1991.
Joseph Fabre, cirulaire n°49, in: Notices nécrologiques, Bd. 2, S. 81-118.