Eine Berufung - zwei Wege

Wer uns Oblaten kennt, merkt schnell, dass es bei uns zwei Wege zur Verwirklichung der einen Berufung gibt: Brüder und Patres.

 

Der Bruder - Eine missionarische Ordensberufung im Laienstand

Der Oblatenbruder verwirklicht sein Leben als Laie in unser Gemeinschaft. Auf die gleiche Ordensregel wie die Patres verpflichtet, arbeitet der Bruder im allgemeinen als kompetenter Fachmann in den handwerklichen oder hauswirtschaftlichen Bereichen der verschiedenen Niederlassungen.

Ordensbrüder leisten heute Ihren Beitrag zur Verwirklichung der gemeinschaftlichen Sendung in Berufen wie Koch, Bäcker, Schlosser, Schreiner, Krankenpfleger und Bürokaufmann, um nur einige Berufszweige zu nennen. Einzelne Ordensbrüder widmen sich der beruflichen Ausbildung von jungen Menschen. Nur relativ wenige Ordensbrüder übernehmen bis heute Dienste in der kirchlichen Seelsorge.

Auch wenn der Bruder als "Nicht-Priester" von der institutionellen Seelsorge der Kirche befreit ist, wirkt er dennoch als Seelsorger in seinen vielen zwischenmenschlichen Beziehungen.

 

Der Pater - Ordenspriester im missionarischen Dienst der Kirche

Die meisten Oblaten sind Priester. Schwerpunkte ihres missionarisch, seelsorglichen Handelns sind die Gemeindemission, Exerzitienseelsorge, Jugendarbeit, Unterricht und Seelsorge in Schulen und natürlich Pfarrpastoral.

Außerordentliche Dienste leisten eine ganze Reihe einzelner Oblaten in der Leitung und Verwaltung des eigenen Ordens, kirchlicher Missionswerke und einzelner Diözesen, in der Gefängnisseelsorge, im Lehrberuf an Hochschulen und Universitäten, in der materiellen und technischen Versorgung der auswärtigen Missionen.

 

Aufnahmevoraussetzungen

Voraussetzung für ein Leben in unserer Ordensgemeinschaft ist zunächst die physische und psychische Gesundheit des Kandidaten. Dazu gehört eine dem Alter entsprechende menschliche Reife. Wer um Aufnahme bittet, muss unverheiratet sein und darf keine Verpflichtungen haben, die ihn über den Eintritt hinaus binden. Er muss ferner die Volljährigkeit erreicht haben, sollte aber nicht älter als 30 Jahre sein. Von "Spätberufenen" erwarten wir, dass sie sich im beruflichen Leben bewährt haben.

Wer zu uns kommt, darf nicht nur den Willen haben in Gemeinschaft leben zu wollen, er muss auch die Fähigkeiten dazu mitbringen. Der Wille zu einem Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verlangt vom Kandidaten viele Opfer: die Absage an jede egoistische Haltung, ein Auge für den Nächsten, den Verzicht auf übertriebene Bindungen etc. Wer zu uns gehören will, stellt sich und sein Leben zur Verfügung.

Wir erwarten ferner eine bodenständige religiöse Grundhaltung. Gott muss bereits einen Platz im Leben des Kandidaten haben. Ein bisheriger Lebensvollzug in und mit der Kirche ist hier für die Gemeinschaft ein wesentlicher Gradmesser.

Für die, die in der Gemeinschaft Priester werden wollen ist das Abitur oder eine gleichwertige Vorbildung eine Voraussetzung. Für Spätberufene gibt es verschiedene Möglichkeiten um in unserer Ordensgemeinschaft zum Priestertum zu gelangen. So kann z.B. an einer ordenseigenen Einrichtung die staatliche Reifeprüfung nachgeholt werden.

Kandidaten, die Gott als Ordensbruder dienen wollen, bedürfen in der Regel einer Berufsausbildung. Wenn die vorhandene Berufsausbildung nicht in den Kontext der missionarischen Sendung der Gemeinschaft passt, sorgt die Gemeinschaft für eine weitere Berufsausbildung oder Fortbildung.

 

Ausbildung und endgültige Bindung an die Gemeinschaft

Ausbildung verstehen wir als Wegstrecke, deren erste Schritte sich wie folgt gliedern lassen:

Erste Kontakte

Grundsätzlich gibt es bei Interesse für die Lebensform der Oblatenmissionare für junge Männer die Möglichkeit in der klösterlichen Gemeinschaft mitzuleben. Die Ausbildungshäuser der Oblaten bieten ganzjährig das Mitleben im Kloster an. Unsere Gemeinschaft macht zudem im Laufe eines Jahres immer wieder spezielle Kursangebote für Jugendliche und junge Männer, die am geistlichen Beruf interessiert sind.

Vor-Noviziat

Wer sich in Keuschheit, Armut und Gehorsam an die Gemeinschaft der Oblaten binden will, macht zunächst ein Vor-Noviziat, das zeitlich zwei Jahre in Anspruch nimmt. In dieser Zeit geht es darum, dass sich der Kandidat und die Gemeinschaft näher kennenlernen. Die Priester-Kandidaten studieren vier Semester Theologie an der kath. Fakultät Fulda. Die Brüder-Kandidaten machen in dieser Zeit eine berufliche Aus- oder Weiterbildung.

Noviziat

Der zweite Ausbildungsschritt ist das Noviziatsjahr in dem der Novize, egal ob er zukünftig als Bruder oder Priester der Gemeinschaft dienen will, die Grundlagen missionarischen Ordenslebens und die spezifischen Traditionen der Oblaten verinnerlicht. Der einzelne Novize und auch die Gemeinschaft fällen in dieser Zeit die Entscheidung zur möglichen Bindung in den Gelübden. Das Noviziat endet mit der Ablegung einjähriger zeitlicher Gelübde und der Einkleidung. Der Noviziatsort ist Hünfeld bei Fulda.

Geistliche und fachliche Ausbildung der Oblatenmissionare

Frühestens nach drei Jahren zeitlicher Bindung können die Ewigen Gelübde abgelegt werden. Die Zeit bis dahin wird durch eine sehr persönliche ordensinterne Aus- und Weiterbildung begleitet. Der geistliche Weg des Oblaten in der Erstausbildung ist für Brüder und Priesteramtskandiaten gleich. Neben der geistlichen Bildung erhält jeder Oblate eine fachliche Ausbildung, die ihn zukünftige als Ordensbruder oder Ordenspriester der einen Gemeinschaft qualifizieren soll.

Die fachliche Ausbildung für Priesteramtskandiaten erfolgt durch ein Hochschulstudium in Katholischer Theologie an einer universitären Einrichtung in Europa. Diese Ausbildung schließt nach 5 bis 6 Studienjahren mit der Priesterweihe.

Ordensbrüder machen nach den ersten Gelübden eine berufsfachliche Aus- oder Weiterbildung. Der zu erwerbende Bildungsgrad orientiert sich an der Begabung des einzelnen.

Jeder Ausbildungsweg steht in Anbindung an eine klösterliche Niederlassung der Oblaten in Deutschland oder einem anderen Land in Europa. Da sich die Oblaten als eine weltweite katholische Ordensgemeinschaft verstehen, gehört ein Auslandsaufenthalt zum Studium, der Weiterbildung oder zum Sammeln praktischer Erfahrungen wesentlich dazu.